Lüneburg/Wichtenbeck. Nach insgesamt vier Verhandlungstagen könnte einer der dramatischsten Gerichtsprozesse der vergangenen Jahre am morgigen Dienstag zu Ende gehen. Gegen 12 Uhr wird dann der Urteilsspruch der 4. großen Jugendkammer am Landgericht Lüneburg erwartet. Es geht um einen vollendeten und zwei versuchte Morde, die einem 56-Jährigen Landwirt aus Wichtenbeck bei Eimke vorgeworfen werden (UEN berichteten).
Der Familienvater soll am 25. Februar dieses Jahres im Wohngebäude des Hofs seine Ehefrau mit einer Eisenstange hinterrücks attackiert und dann mit einem großen Küchenmesser tödlich verletzt haben. Danach soll er seinen zur Tatzeit 15 Jahre alten Sohn so brutal mit der Eisenstange attackiert haben, dass der Junge beinahe an einem mehrfachen Schädelbruch gestorben wäre. Auch den größeren Sohn soll der Beschuldigte mit der Stange attackiert haben, als dieser das Haus betrat. Der zum Tatzeitpunkt 17-Jährige konnte sich, obwohl ebenfalls schwer verletzt, wehren, so die Anklage, und seinem Vater das Eisenrohr abnehmen und ihn am Boden fixieren.
15 Zeugen und drei Sachverständige wurden gehört. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Fähigkeit des Angeklagten, „nach der bestehenden Einsicht in das Unrecht der Taten zu handeln, krankheitsbedingt erheblich beeinträchtigt gewesen sein soll“. Der Beschuldigte hatte die Vorwürfe direkt zu Beginn des Prozesses in einer selbst verfassten und von ihm vorgetragenen Einlassung eingeräumt.
Vor Gericht zeichnete sich während der Verhandlung das Bild eines Mannes ab, der seit längerer Zeit an massiven psychischen Störungen gelitten hatte.
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