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Landkreis Uelzen

Jahresrückblick Teil 2: Marode Rathäuser, neue Wahlkampfmethoden, alte Feindschaften

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Uelzen/Landkreis. Auch das zweite Quartal des Jahres hatte es in sich. Mochte der Frühling auch sein blaues Band irgendwie durch die Lüfte flattern lassen – im Landkreis Uelzen war es dennoch an der Zeit, sich für den Wahlkampf zu positionieren. Mit durchaus rustikalen Mitteln, wie im zweiten Teil des Uelzener-Nachrichten-Jahresrückblicks zu lesen ist. Viel Spaß!

Der erste politische Kracher im Superwahljahr entspann sich innerhalb der SPD-Kreistagsfraktion – und wie! Es begann mit der exklusiven Meldung in den Uelzener Nachrichten, dass Andreas Bersiel, viele Jahre Sozialdemokrat im Kreistag, sein Mandat niederlegte. Dann glühten in unserer Redaktion die Drähte: Der Bevenser Bersiel begründete seinen Rückzug mit dem Verhalten des SPD-Unterbezirks gegen den langjährigen Kreistagsfraktionsvorsitzenden Andreas Dobslaw. Im Gegenzug übte der SPD-Ortsverein Bad Bevensen im Gespräch mit den Uelzener Nachrichten deutliche Kritik am Wahlkampfverhalten Bersiels. Unmittelbar vorangegangen war die Unterbezirks-Versammlung zur Aufstellung der Kandidatenlisten für die Kommunalwahl. Dem wegen Krankheit verhinderten Dobslaw war das Misstrauen ausgesprochen worden – ihm und seinen Vertreter Peter Hallier, der fast 50 Jahre SPD-Mitglied war. Dobslaws Reaktion erfolgte umgehend: „im Zuge der Wahlkreiskonferenz und natürlich in geheimer Abstimmung wurden sowohl ich als Fraktionsvorsitzender als auch mein Stellvertreter Hallier bewusst beschädigt.“ Befürworter Dobslaws sahen eine „Abstraf-Aktion“ aus den Reihen des SPD-Ortsvereins Uelzen – von dort aus sei er demontiert worden. Der handfeste politische Schaden für die SPD erfolgte unmittelbar: Die drei erfahrenen Stimmbringer Dobslaw, Bersiel und Hallier wechselten geschlossen zur UWG.

Und da die Hemdsärmel schon einmal hochgekrempelt waren, ging es wenige Tage später erneut zur Sache. Diesmal stand der politische Boxring im beschaulichen Ebstorf. Eigentlich war man sich dort längst einig gewesen: Der klotzige Rathausbau aus den 70ern mit seiner Sichtbeton-Architektur und dahinter liegenden erheblichen Baumängeln einschließlich maroder Elektrik ist hinfällig. Ein Abriss, war man sich seit 2019 im Samtgemeinderat einig, wäre die sauberste Lösung. Schüfe er unter anderem eine tolle Gelegenheit für den Klosterflecken, den Ortskern neu zu entwickeln – schickes Marktambiente statt grauem Beton. Ein Bürgerbüro mit neuer Bücherei sollte Ebstorf bekommen. Das Gros der Mitarbeiter im alten Rathaus sollte in einen Neubau nach Bad Bevensen wechseln. Doch unmittelbar nach der Mai-Sitzung des Samtgemeindeausschusses brachten die CDU/FDP-Gruppe sowie die SPD-Fraktion zu später Stunde einen gemeinsamen Antrag mit dem Titel „Antrag zur Durchführung der Erneuerung der elektrischen Anlage im Rathaus Ebstorf“ auf den Weg. (Un)klare Ansage: Würde die Elektrik saniert, gäbe es keinen Grund mehr für einen Abriss. Plötzlich hielt man in Ebstorf am alten Rathaus fest. Oder war es nur eine getarnte Attacke auf den grünen Samtgemeindebürgermeister Martin Feller, der manchem Kommunalpolitiker immer noch zu eigensinnig agiert, und seinen kühnen Plänen? Pläne, zu denen übrigens auch Ebstorfs UWG-Bürgermeister Heiko Senking in Sachen Rathaus-Abriss stand und steht. Dem wahlpolitischen Hickhack folgten dann doch reale Pläne: Für die kommenden Haushaltsentwürfe der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf sind Millionenbeträge eingeplant, um eine neue Lösung für das Rathausproblem des Klosterfleckens zu ermöglichen.

Eigentlich ein Affront – die Uelzener nahmen es gelassen: Im „Heimatbericht 2021“, den der damalige Innenminister Horst Seehofer hatte erstellen lassen, kam unser Landkreis alles andere als gut weg. Der Landkreis Uelzen wurde in den begleitenden Texten der Broschüre nur ein einziges Mal erwähnt – mit den deutlichen Worten „Tritt durch ungünstige demografische Entwicklung hervor“. Auf den bunten Karten ließ sich mehr herauslesen: Siedlungs- und Infrastruktur, Kommunale Leistungsfähigkeit, Wirtschaftliche Leistungsfähigkeit – in all diesen Bereichen bescheinigte das Ministerium des Inneren dem Landkreis Uelzen nur den zweitletzten Platz. Schlusslicht war irgendeine Kommune im Osten. Die hiesige Politik und Verwaltung gewannen der Lage Positives ab: Wer strukturschwach sei, komme eben in den Genuss zusätzlicher Fördermittel. Wichtig sei nur, dass man in Berlin auch die richtigen Schlüsse ziehe und die geeigneten Programme umsetze. Allerdings: Der als Reaktion auf den Bericht vielfach geforderte Lückenschluss der A39 steht seit Dienstantritt der neuen Bundesregierung komplett auf dem Prüfstand. Das einstige Allzweckheilmittel Bundesautobahn hat Freunde verloren.

Randale in Bad Bevensen? Passt irgendwie nicht zum schmucken Kurort. Kommt aber immer wieder vor: Scheiben an der Oberschule einwerfen, Bahnhofsklo demolieren, Wahlplakate vandalisieren – manch einer dort verfügt offenbar über ein Übermaß an freier Zeit. Was allerdings in den 18-Jährigen gefahren war, der mit seinem VW mit Vollgas durch den Kurpark bretterte, ist nun wirklich schwer zu erklären. Ausgerechnet mit einem biederen Touran pflügte der Fahranfänger durch Beete und über die Grünflächen. Als er zur Rede gestellt wurde, ergriff der fahrende Prolet des Hasen Panier.

Heißer Wahlkampf, Teil 2: Dr. Wiebke Köpp fackelte nach ihrer Wahl zur CDU-Gegenkandidatin des amtierenden Uelzener Bürgermeisters Jürgen Markwardt nicht lange. Eigenhändig plakatierte sie im Stadtgebiet „Wie…“-Schilder, die sie später mit ihrem Vornamen vervollständigte. Eigenständiger Auftritt mit anderen Farben und Schriften als die bei den Christdemokraten gewohnten sorgten innerhalb der Partei für Diskussionen. Allgemein anerkennendes Raunen für ihre frontale Offensive gewann die promovierte Volkswirtin und Klimawissenschaftlerin indes mit der Eröffnung ihrer Wähl-Bar im Juni: Einen Leerstand mitten in der Innenstadt verwandelte Köpp in ihr Wahl-Hauptquartier und empfing dort regelmäßig politische Hochkaräter – nur einen Steinwurf vom Uelzener Rathaus entfernt. Ganz und gar kein Zufall. Am Ende, davon wird morgen beim dritten Teil unseres Jahresrückblicks ausführlich die Rede sein, half alles nichts: An Jürgen Markwardt war nicht zu rütteln.

Foto (Michalzik): Das marode Ebstorfer Rathaus taugte im Juni wunderbar für einen politischen Schaukampf.