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Großes Interesse beim 4. Fachforum der HeideRegion Uelzen - „Radtourismus im Dialog“: Experten diskutierten über wirtschaftliches Potenzial, Qualität und neue Zielgruppen

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Uelzen. Mehr als 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Tourismus, Kommunen, Politik, Verbänden und Wirtschaft sowie zahlreiche interessierte Radfahrer folgten am Mittwochabend der Einladung des Tourismusvereins HeideRegion Uelzen e. V. zum vierten Fachforum „Radtourismus im Dialog“ im Uelzener Rathaus. Das Interesse reichte dabei deutlich über den Landkreis hinaus: Auch aus mehreren Nachbarkreisen waren Fachgäste und weitere Interessierte angereist.

Michael Müller, 1. Vorsitzender des Vereins, unterstrich zur Begrüßung die besondere Bedeutung des Radtourismus für die Region. Zugleich verwies er auf die derzeit herausfordernde Situation des Tourismusvereins und würdigte die Arbeit der Geschäftsstelle: Ohne das Engagement von Peter Gerlach und Lilli-Sophie Schiewe gäbe es die ADFCRadReiseRegion in ihrer heutigen Form und Angebote wie das Fachforum nicht. Dafür gab es viel Applaus.

Niedersachsen auf Platz zwei der beliebtesten Radreiseziele

Ein großes Bündel an aktuellen Zahlen zum Radtourismus und seiner wirtschaftlichen Bedeutung brachte Dr. Franziska Thiele von der Tourismus Niedersachsen mit: Niedersachsen ist das zweitbeliebteste Bundesland für Radtouristen, die Lüneburger Heide eines der vier beliebtesten Ziele für Radurlauber innerhalb des Landes. Die Heideregion Uelzen hat hier, als eine der bislang nur zwei vom ADFC zertifizierten RadReiseRegionen des Landes, einen besonderen Stellenwert.

Das Marktpotenzial ist beträchtlich: 37,4 Millionen Menschen in Deutschland nutzten 2023 im Urlaub oder bei Ausflügen das Fahrrad. Für Niedersachsen ergeben sich aus Radreisen, Radfahren im Urlaub und Tagesausflügen hochgerechnet jährliche Einnahmen in Höhe von 2,8 bis 3,1 Milliarden Euro.

Damit der Radtourismus seine wirtschaftliche Wirkung entfalten kann, müsse allerdings die Qualität stimmen. Thiele beschrieb die gesamte Servicekette aus Sicht des Gastes: Wie komme ich in die Region? Finde ich unterwegs zuverlässig den Weg? Gibt es Gastronomie und sichere Abstellmöglichkeiten? Stimmen digitale Routendaten mit der Beschilderung vor Ort überein? Baustellen ohne funktionierende Umleitung, widersprüchliche GPX-Tracks oder fehlende Abstellmöglichkeiten können eine ansonsten gute Radreise schnell beeinträchtigen.  

Ihr Fazit: Konsequentes Qualitätsmanagement entscheidet über die Wettbewerbsfähigkeit. Gerade ländliche Regionen könnten vom Radtourismus profitieren. Dafür brauche es aber klare Zuständigkeiten, regelmäßige Kontrollen und die Zusammenarbeit von Tourismus, Verkehr, Kommunen und Betrieben.  

Was Radgäste von einer Region erwarten

Daran knüpfte Sandra Henze, Bett+Bike-Regionalmanagerin für Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein, an: Sichere Unterstellmöglichkeiten für häufig hochwertige Fahrräder, Reparaturmöglichkeiten und kompetente Tourentipps gehören zu den Kriterien, mit denen sich fahrradfreundliche Gastgeber auf die Zielgruppe einstellen können. In Niedersachsen gibt es derzeit rund 560 Bett+Bike-Betriebe, bisher allerdings nur zwölf davon im Landkreis Uelzen. Eine Zahl, die Lilli-Sophie Schiewe von der HeideRegion Uelzen als neue Qualitätsprüferin für Bett+Bike verbessern möchte.

Eine schöne Strecke haben alle  

Wie weit ein konsequent entwickeltes radtouristisches Produkt gehen kann, welcher Aufwand, aber auch welcher Erfolg möglich ist, zeigte Sebastian Thiele von absolutGPS anhand eines Best-Practice-Beispiels. Der „Stoneman Miriquidi“ im Erzgebirge, ausgezeichnet mit dem Marketing Award „Leuchttürme der Tourismuswirtschaft“ des Ostdeutschen Sparkassenverbandes, verbindet eine sportliche Herausforderung für Rennrad- und Mountainbiker mit Etappen, Checkpoints und einem Belohnungssystem. Hinzu kommt eine konsequent organisierte Servicekette mit spezialisierten Gastgebern, Gepäcktransfer, aktueller digitaler Navigation, verlässlicher Beschilderung und regelmäßigen Streckenkontrollen. Mehr als 120 Hotels und Pensionen gehören inzwischen destinationsübergreifend zum offiziellen Partnernetzwerk. Jährlich werden 15.000 bis 18.000

Übernachtungen und ein Umsatz von 1,5 bis zwei Millionen Euro bei den beteiligten Logispartnern generiert. Aus einer Radstrecke ist damit ein buchbarer Reiseanlass mit messbarer regionaler Wertschöpfung geworden.

Entscheidend für den Erfolg ist nicht allein die Route. „Eine schöne Strecke haben alle“, lautete eine der Botschaften des Vortrags. Erst das Zusammenspiel aus Erlebnis, Verlässlichkeit, Service und regionalen Partnern schafft ein touristisches Produkt, für das Gäste gezielt anreisen.  

Für Peter Gerlach lag genau darin der Grund, dieses Beispiel beim Fachforum vorzustellen. Ein „Stoneman“ lasse sich nicht einfach auf den Landkreis Uelzen übertragen. Das Beispiel zeigt jedoch, in welchen Dimensionen erfolgreiche Regionen inzwischen radtouristische Produkte entwickeln und welche Elemente davon auch für die Heideregion interessant sein könnten. Im Urlaub Rad fahren könne man dank E-Bike inzwischen fast überall. Wenn es darum gehe, sich gegenüber anderen Regionen zu profilieren und neue, auch jüngere Zielgruppen zu gewinnen, müsse über eigenständige Erlebnisse und Reiseanlässe nachgedacht werden.

Probleme vor der Haustür

Dass guter Radtourismus unmittelbar mit kommunaler Verkehrs- und Infrastrukturpolitik zusammenhängt, zeigte die anschließende Diskussion. So wurde aus dem Publikum gefragt, weshalb die bereits im vergangenen Kommunalwahlkampf diskutierte Ertüchtigung des Betriebsweges am Elbe-Seitenkanal nicht weiterverfolgt worden sei. Eine solche Verbindung könnte helfen, die noch immer bestehende Lücke in der Radwegeverbindung von Bad Bodenteich über Wieren und Esterholz in Richtung Uelzen zu schließen.

Gerlach bezeichnete es als bedauerlich, dass diese Möglichkeit nicht weiterverfolgt worden sei. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion über das abrupte Ende des Radweges bei Esterholz müsse die Variante betrachtet werden. Ein Ausbau des vorhandenen Betriebsweges könnte möglicherweise schneller und kostengünstiger realisiert werden als ein kompletter Radwegneubau einschließlich notwendiger baulicher Anpassungen.  

Eine weitere Diskussion entwickelte sich um die Knotenpunktwegweisung. Dabei orientieren sich Radfahrer an nummerierten Knotenpunkten und können ihre Tour flexibel zusammenstellen. Solche Systeme breiten sich in Niedersachsen zunehmend aus und ermöglichen eine Tourenplanung über kommunale Grenzen hinweg. Vertreter aus dem benachbarten Landkreis Gifhorn würden eine Fortführung des dortigen Systems in den

Landkreis Uelzen begrüßen. Auch in den Nachbarlandkreisen Heidekreis, Lüneburg und Lüchow-Dannenberg wird über die Einführung nachgedacht. Thiele verwies auf Fördermöglichkeiten für dessen Einführung.

Barrierefreiheit als Chance?

Einen weiteren Impuls brachte ein Teilnehmer aus dem Rheinland an, wo Gerlach vor fünf Jahren die RadReiseRegion Uelzen vorgestellt hatte. Er regte an, Barrierefreiheit als Profilierungsmöglichkeit für die Region zu betrachten.

Ganz neu ist der Gedanke in Uelzen nicht. Die HeideRegion hatte bereits Handbiker eingeladen, die regionalen Radrouten rund um Bad Bevensen aus ihrer Perspektive zu testen. Dabei zeigte sich allerdings, dass nicht alle Strecken die notwendigen Voraussetzungen erfüllen. Auf viele Hindernisse könne eine Tourismusorganisation selbst keinen unmittelbaren Einfluss nehmen, erläuterte Gerlach, da Änderungen an Wegen und Straßen in der Verantwortung der jeweiligen Baulastträger lägen. Aufgabe der HeideRegion könne es aber sein, solche Anforderungen sichtbar zu machen und auf Verbesserungen hinzuwirken.  

Damit führte die Diskussion am Ende wieder zu einem zentralen Gedanken des Abends zurück: Radtourismus endet weder an Gemeindegrenzen noch bei der touristischen Vermarktung. Erfolgreiche Angebote entstehen erst, wenn Wege, Mobilität, Gastgeber, Service und Vermarktung zusammenspielen. Alltags- und Freizeitradverkehr überschneiden sich dabei vielfach und müssen gemeinsam gedacht werden. Dafür braucht es aber nicht nur gute Konzepte und Infrastruktur, sondern auch klare Zuständigkeiten und Menschen, die sich dauerhaft um Qualität, Abstimmung und Weiterentwicklung kümmern. Ein gutes

Radwegenetz ist die Grundlage. Eine erfolgreiche Radregion entsteht daraus nicht von allein.

Fotos: HeideRegion Uelzen