Zum Hauptinhalt springen

„Unser kleines Stadtatelier“ - Erinnerungen an den Friedensort

  • Subtitle: Uelzen

Uelzen. Wenn sich in diesen Tagen die Tür zum letzten Mal schließt, liegen sechs bewegte Jahre hinter dem Verein „Unser kleines Stadtatelier“. Im Treff für kreative Inklusion in der Kleinen Mühlenstraße sind Freundschaften entstanden - und Beziehungen. Menschen sind sich begegnet, die bis heute zusammenhalten und es auch künftig tun wollen, wenn das Projekt neue Wege geht.

Sarah berichtet im UEN-Gespräch, dass ihre Betreuerin sie seinerzeit ins Atelier geschickt hatte. Sarah kam aus einer Selbsthilfegruppe und sollte soziale Kontakte knüpfen. Sie ist bis heute geblieben. Mareike spricht gar von einer zweiten Familie, in die sie hineingewachsen sei: „Hier wird man akzeptiert, wie man ist.“

Brigitte Schulz und Ronja Junk initiierten das Stadtatelier einst. Rückblickend berichten sie von Begegnungen, die unter die Haut gingen. Wie die vom ukrainischen Mädchen, das spontan von Tom an der Gitarre und einem Bassisten begleitet wurde und in ihrer Heimatsprache sang: „Die Ukraine wird sich einst aus Schutt und Asche erheben.“

Mit einem Lächeln erinnert sich Brigitte Schulz an einen deutsch-russischen Jungen, der im Atelier vorbeischaute - frech, vorlaut, mit einem Hang zur Herumkommandieren. Bis er feststellte: „Das hier ist ein Friedensort.“

Ronja hat hier in der kleinen Mühlenstraße ihren Lebensgefährten kennengelernt, hält sie fest, während um sie herum Regale und Kunstgegenstände abgebaut werden. Bald ist an diesem Ort Schluss mit dem kreativen Treff, der Verein löst sich auf. Sechs Jahre waren sie und Brigitte Schulz im Grunde sieben Tage die Woche hier aktiv: „Es kamen immer Menschen vorbei, die neugierig waren, was hier passiert.“ Gut, darunter war auch der eine oder andere, der noch das frühere Sanitätshaus suchte.

Aber ansonsten fand sich hier eine kunterbunte Gruppe, die Spaß an Kreativität hatte, Musikunterricht gab und bekam, Kunstprojekte auf den Weg brachte und Freundschaften schloss. „Inkludiert sind wir hier alle“, sagt Brigitte Schulz.

Vivien brauchte damals Menschen und Bewegung: „Das hier war die beste Anlaufstelle“. Elfi kam über die ambulante Hilfe ins Stadtatelier, machte ein Praktikum - und blieb. Petra kam einfach des Weges: „Es war ein Zufall. Ich wollte wissen, was das hier war.“

So ging es vielen Menschen, die Halt und Freundschaft im Atelier fanden. Keine festen Öffnungszeiten, keine festen Gruppen: Hier konnte man sich zwanglos einfinden, reden, Kunst schaffen und auch einmal mal nur im Internet surfen. „Ja, ein Internetcafé waren wir zum Teil auch“, sagt Brigitte Schulz mit einem Lachen: „Nur, dass es bei uns den Kaffee auch kostenlos gab.“

Typisch für das unermüdliche Engagement von Schulz und Junk. Ronja: „Ich habe immer schon Ehrenamt gemacht. Aber das hier hat auch mein eigenes Leben verändert. Ich habe hier meinen Freund kennengelernt."

„Unser kleines Stadtatelier“ - sechs Jahre lang war immer etwas los. Manche kamen nur herein, um sich etwas von der Seele zu reden. Viele machten langfristig mit, nahmen etwa am Bandprojekt teilt. Schulz: „Es sind tolle Netzwerke entstanden.“ Die sollen auch weiter bestehen bleiben, wenn das Projekt vom Immenhof aus neue Wege geht: „Es bleibt. In irgendeiner Form“. Atelierhopping innerhalb der Hansestadt ist ein Stichwort. Musik, Fotografie, Kreativität auf dem Immenhof sind weitere Themen: „Jeder von uns hat sein eigenes Stück Kultur drauf.“

Foto: Michalzik