Am HEG die Liebe zum Theater entdeckt: Martin Leßmann und Herbert Lange gastieren im Museumdorf Hösseringen
Hösseringen. Die erste Puppe heißt Zarah. Und tatsächlich - Zarah steht der echten Filmdiva an Flitter und Selbstbewusstsein in nichts nach. Zumindest, wenn ihr Schöpfer Martin Leßmann die „Socken-Klappmaulpuppe“ mit Körper und Stimme zum Leben erweckt. Geboren – oder besser geschaffen – wurde Zarah in Suderburg. Und hierher ist sie mittlerweile zurückgekehrt, nach Gastspielen in Hannover, Braunschweig, München, Hamburg, Bremen und an vielen weiteren Orten. Zarah hat auch einen Bruder, den Zeppolino. Der ist Krokodil und war ursprünglich die zweite Socke. So kanns gehen im Leben.
Für Martin Leßmann ging es von Suderburg erst einmal nach Hannover. Hier begann er seine Ausbildung an der Schauspielschule und arbeitete dann am Kinder- und Jugendtheater. Ursprung seiner Puppenspieler-Karriere waren die selbsterdachten Klappmaulpuppen, mit denen er 1979 seine erste eigene Bühnenshow, eine kleine Welt der „Travestie der Hände“, erarbeitete. Die Liebe zum Theater hatte er jedoch schon viel früher entdeckt, nämlich als Schüler des Herzog-Ernst-Gymnasiums. Die dortige Theater-AG hatte ihm das Tor für den eigenen künstlerischen Weg geöffnet. An den Ort seiner Kindheit hat Martin Leßmann gute Erinnerungen, sein Vater lehrte an der heutigen Ostfalia. So fiel die Entscheidung, irgendwann hierher zurückzukehren, nicht schwer.
Zuvor aber führte ihn der Weg in die Welt des Fernsehens. 1986 trat Martin Leßmann für ein Casting der „Hallo Spencer“-Serie an – und wurde spontan Teil des Teams. Schon ein Jahr später spielte er den Pinguin Max, eine Großpuppe, die an der Seite der Kängurudame Molly allerhand Abenteuer erlebt. Und natürlich spielte er viele Jahre den hilfsbereiten liebevollen Kasi, der oft mit seinem Bollerwagen durchs Dorf zieht. Mit dem ist er nun im Museumsdorf Hösseringen zu sehen.
Neben den beruflichen sollte die „Hallo-Spencer-Show“ für Martin Leßmann auch private Weichen stellen. Wiederum im Rahmen eines Castings lernte er Herbert Lange, seinen heutigen Mann, kennen. Dieser hatte nach seiner Schauspielausbildung in Berlin ein Engagement am Schleswig-Holsteinischen Landestheater in Rendsburg angenommen. Auch er liebt das Puppenspiel seit Kindertagen, hat sich jedoch zudem einen zweiten Berufswunsch erfüllt: er ist Logopäde. Nach einem Aufbaustudium in San Francisco blieb er fast zehn Jahre lang in Amerika, wo er seine Arbeit als Logopäde mit dem Puppenspiel verband. 2006 gründete er das mobile Puppentheater GRIMMbim, mit dem er jahrelang in Kalifornien unterwegs war. Dort entstand auch die erste Fassung des Märchens vom Rumpelstilzchen. Die aktualisierte Version konnten Gäste des Museumsdorfes kürzlich erleben. Hier in Hösseringen sind Martin Leßmann und Herbert Lange längst keine Unbekannten mehr. Schon mehrere Male waren sie mit dem Puppentheater zu Gast und auch an der derzeitigen Ausstellung „Narrenfreiheit. Geschichte des Handpuppentheaters“ beteiligten sie sich intensiv.
Wer möchte, kann Martin Leßmann am 14. Juli in seinem Ferien-Workshop „Der Löffel lebt! Eine kleine Figurenwerkstatt für Kinder“ erleben. Tiefer ins Thema „Puppentheater“ einsteigen können Interessierte am 29. August beim Handpuppenworkshop für Erwachsene mit Herbert Lange. Natürlich wieder im Museumsdorf. Beide Puppenspieler freuen sich über viele interessierte, kleine und große Teilnehmer. Auch kurzfristige Anmeldungen sind möglich!
Fotos: Museumsdorf Hösseringen