Interkulturelle Integration online aus Suderburg
- Subtitle: Suderburg
Eine Fallstudie der Integrationsarbeit des Instituts für gemeinnützige Dienstleistungen gGmbH
Von Joachim Delekat, Frank Nierath und Markus Launer
Als im Jahr 2015 viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen, beschlossen drei engagierte Helfer, aktiv zu werden. Prof. Dr. Markus Launer, Dipl. Volkswirt Joachim Delekat und Oberstudienrat Frank Nierath wollten nicht nur spontan helfen, sondern nachhaltige Strukturen für Integration schaffen. Aus dieser Initiative entstand ein Projekt, das zunächst ehrenamtlich organisiert wurde und sich später zu einem breiten Netzwerk aus Integrationsarbeit, Online Lehre, wissenschaftlichem Austausch und internationalen Workshops entwickelte.
Bereits 2015 bewarb sich Prof. Dr. Markus Launer um Unterstützung bei der Niedersächsischen Lotto Sport Stiftung in Hannover. Im Jahr 2016 erhielt das Projekt dann auch eine Förderung – und das besteht bis heute weiter fort. Dadurch konnte erstmals ein strukturiertes Integrationsprogramm aufgebaut werden. Ziel war ein Sofortmaßnahmenprogramm für die Hansestadt Uelzen in Zusammenarbeit mit der Abteilung Integration und Teilhabe.
Zunächst wurde über die Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften ein Lehrgang für Flüchtlingshelfer organisiert. In dieser Anfangsphase packten viele Ehrenamtliche mit an, wussten aber oft noch nicht genau, welche Unterstützung in der Praxis tatsächlich gebraucht wurde. Deshalb wurden früh Spezialistinnen und Spezialisten aus verschiedenen Bereichen eingebunden, um einen vollständigen Ausbildungsgang für Integrationshelfer zu entwickeln.
Die Aktivitäten wurden später in das Institut für gemeinnützige Dienstleistungen gGmbH mit Sitz in Suderburg überführt. Seitdem organisiert das Institut Integrationsprogramme, Online Kurse, wissenschaftliche Workshops und internationale Austauschformate. Weitere Informationen finden sich unter www.InstitutfuerDienstleistungen.de.
Dabei hatte Deutschland schon zuvor mehrere bedeutende Migrationsbewegungen erlebt. Dazu gehören die Gastarbeiterprogramme der 1960er Jahre, als etwa 2,6 Millionen Arbeitskräfte aus Ländern wie der Türkei und Italien nach Deutschland kamen. Auch vietnamesische Flüchtlinge, die sogenannten Boat People, wurden in den 1970er und 1980er Jahren aufgenommen, insgesamt rund 35.000 Menschen. Zwischen 1950 und 2000 kamen etwa 4,5 Millionen Spätaussiedler, also ethnische Deutsche aus Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion, nach Deutschland. Während der Jugoslawienkriege der 1990er Jahre suchten etwa 700.000 Menschen aus Bosnien, Kroatien, Kosovo sowie aus Albanien und Mazedonien Schutz in Deutschland. Seit 2022 sind infolge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine erneut mehr als eine Million Menschen nach Deutschland geflüchtet, überwiegend Frauen und Kinder.
Die Flüchtlingsarbeit war aber mit dem Sofortmaßnahmenprogramm jedoch nicht vorbei. Nach dem Sofortmaßnahmenprogram entwickelten die drei ein besonderes Integrationsprogram mit deutscher Kultur, Sprache und Integrationsmaßnahmen. Ständig wechselten jedoch die Herausforderungen für das Team. 2017 war es wichtig die integrierten Menschen in Arbeitsprogramme zu bringen und bei Bewerbungen zu unterstützen. Und als das Team dachte, nun wird es ruhiger, da kamen mehr Menschen aus Afrika. Und dann brach der Ukrainekrieg aus und über 1 Million Frauen mit Kindern kamen nach Deutschland. Die Anforderungen änderten sich wieder.
Heute sieht das Team Herausforderungen in der laufenden Integrationsarbeit vor allem in der islamischen Kultur und Kriminalität. Leider sind in Deutschland laut der Kriminalstatistik die Gewalttaten sprunghaft angestiegen. Eine besondere Herausforderung. Launer fördert die Integration und das Verständnis damit die Menschen aufzufordern den Koran zu lesen. Wir müssen auch die verschiedenen kulturellen Prägungen innerhalb des Islam besser kennen lernen.
Im Detail
Flüchtlingskrisen nach Deutschland
Deutschland hatte bereits vor den aktuellen Debatten mehrere bedeutende Migrations- und Flüchtlingsbewegungen erlebt. Diese historischen Erfahrungen zeigen, dass Migration kein neues Phänomen ist, sondern ein wiederkehrender Bestandteil der deutschen Geschichte.
Eine der wichtigsten Phasen waren die Gastarbeiterprogramme der 1950er bis 1970er Jahre. In der Zeit von etwa 1955 bis 1973 erlebte Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg ein starkes Wirtschaftswachstum, das sogenannte Wirtschaftswunder. In Industrie, Baugewerbe und Dienstleistungen fehlten jedoch Arbeitskräfte. Um diesen Bedarf zu decken, schloss Deutschland sogenannte Anwerbeabkommen mit mehreren Ländern. Vorrangig halb aber Deutschland den Partnerländern bei deren lokalen Krisen, was oft vergessen wird zu erwähnen. Zu den wichtigsten Herkunftsländern gehörten Italien (1955), Spanien (1960), Griechenland (1960), die Türkei (1961), Marokko (1963), Portugal (1964), Tunesien (1965) und Jugoslawien (1968). Insgesamt kamen etwa 2,6 Millionen Arbeitskräfte nach Deutschland. Viele von ihnen blieben dauerhaft, gründeten Familien und wurden Teil der deutschen Gesellschaft. Besonders groß ist bis heute die türkischstämmige Bevölkerung in Deutschland, die aus dieser Phase der Arbeitsmigration hervorgegangen ist.
Eine weitere wichtige Flüchtlingsbewegung waren die vietnamesischen Flüchtlinge, die sogenannten Boat People, vor allem Ende der 1970er und in den 1980er Jahren. Nach dem Ende des Vietnamkriegs flohen viele Menschen aus Vietnam vor politischer Verfolgung und wirtschaftlichen Problemen. Zahlreiche Flüchtlinge versuchten, über das Meer zu entkommen, weshalb sie international als Boat People bezeichnet wurden. Die Bundesrepublik Deutschland beteiligte sich an humanitären Aufnahmeprogrammen und nahm etwa 35.000 vietnamesische Flüchtlinge auf. Viele dieser Familien konnten sich relativ schnell integrieren und sind heute ein fester Bestandteil der deutschen Gesellschaft.
Eine besonders große Migrationsbewegung stellten die Spätaussiedler aus Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion dar. Diese Migration erstreckte sich über einen längeren Zeitraum, insbesondere zwischen 1950 und 2000, mit einem deutlichen Höhepunkt nach dem Ende des Kalten Krieges. In Osteuropa lebten seit Jahrhunderten deutsche Minderheiten, die sogenannten ethnischen Deutschen. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielten sie das Recht, nach Deutschland zurückzukehren. Besonders viele Menschen kamen aus Polen, Rumänien, Kasachstan, Russland und der Ukraine. Insgesamt wanderten etwa 4,5 Millionen Spätaussiedler nach Deutschland ein. Viele von ihnen erhielten automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft und wurden gezielt in verschiedenen Regionen Deutschlands angesiedelt.
Auch die Jugoslawienkriege der 1990er Jahre führten zu einer großen Flüchtlingsbewegung nach Deutschland. Zwischen 1991 und 1999 kam es nach dem Zerfall Jugoslawiens zu mehreren bewaffneten Konflikten auf dem Balkan. Besonders betroffen waren Bosnien und Herzegowina sowie später der Kosovo. Viele Menschen flohen vor Krieg, ethnischen Konflikten und politischer Gewalt. Deutschland nahm in dieser Zeit etwa 700.000 Flüchtlinge aus der Region auf. Die Menschen kamen unter anderem aus Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Kosovo, Serbien, Albanien und Nordmazedonien. Ein Teil der Geflüchteten kehrte später in ihre Herkunftsländer zurück, viele blieben jedoch dauerhaft in Deutschland.
Eine weitere große Fluchtbewegung entstand im Zusammenhang mit Konflikten im Nahen Osten und in Afrika, insbesondere ab 2014. Bürgerkriege, politische Instabilität und wirtschaftliche Krisen führten zu einer verstärkten Migration nach Europa. Besonders viele Menschen kamen aus Syrien, wo seit 2011 ein Bürgerkrieg herrscht, aus dem Irak, aus Afghanistan sowie aus afrikanischen Ländern wie Eritrea und Somalia. Im Jahr 2015 erreichten über eine Million Schutzsuchende Deutschland. Diese Entwicklung führte zu einer intensiven politischen und gesellschaftlichen Debatte über Migration, Integration und die Aufnahmefähigkeit des Landes.
Eine weitere große Fluchtbewegung begann seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022. Der Krieg löste eine der größten Fluchtbewegungen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg aus. Deutschland nahm über eine Million Flüchtlinge aus der Ukraine auf. Anders als bei vielen früheren Fluchtbewegungen handelte es sich überwiegend um Frauen, Kinder und ältere Menschen, da viele Männer in der Ukraine bleiben mussten. Viele ukrainische Kinder konnten vergleichsweise schnell in deutsche Schulen integriert werden, während zahlreiche Frauen versuchten, Arbeit in Deutschland zu finden.
Diese Beispiele zeigen, dass Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Ziel von Migration und Fluchtbewegungen war. Jede dieser Bewegungen stellte Gesellschaft, Politik und Wirtschaft vor neue Herausforderungen. Gleichzeitig haben sie langfristig zur kulturellen Vielfalt und zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes beigetragen.
Beginn der Integrationsarbeit 2016
Das Institut für gemeinnützige Dienstleistungen gGmbH bietet seit 2016 mit Unterstützung der Niedersächsischen Lotto Sport Stiftung E Learning Programme für Flüchtlinge und Migranten an. Zunächst wurde das Projekt über die Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften organisiert. Seit 2018 arbeitet das Institut als eigenständige gemeinnützige Organisation mit Sitz in Suderburg.
Mit der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 rückte das Thema interkulturelle Integration in Deutschland stark in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion. Über eine Million Flüchtlinge kamen damals nach Deutschland, vor allem junge Männer aus Syrien, Irak und Afghanistan. Die Herausforderung bestand dabei weniger in der reinen Zahl der Menschen als in den unterschiedlichen kulturellen Hintergründen, religiösen Traditionen und gesellschaftlichen Prägungen. Gleichzeitig war Deutschland organisatorisch auf diese Situation nur unzureichend vorbereitet.
Die Integrationsarbeit gewann besonders während der Flüchtlingskrise 2015 an Bedeutung. Noch nie zuvor hatte Deutschland in so kurzer Zeit eine derart große Integrationsaufgabe zu bewältigen. Viele freiwillige Helfer unterstützten damals die Ankunft der Flüchtlinge, insbesondere auch in der Region Uelzen.
Erste Phase der Integrationsarbeit 2015 bis 2017
Trotz dieser historischen Erfahrungen war die Lage im Jahr 2015 in vielerlei Hinsicht neu. Tausende freiwillige Helfer engagierten sich spontan. Schnell wurde jedoch deutlich, dass Integration nicht nur aus gutem Willen bestehen kann, sondern organisiert, professionell begleitet und langfristig angelegt werden muss. Genau an diesem Punkt setzte die Arbeit des Instituts an.
Die erste Phase war durch Soforthilfe geprägt. Im Landkreis Uelzen wurde diese Arbeit maßgeblich durch Frau zum Felde, Integrationsbeauftragte in Uelzen, initiiert und vom damaligen Landrat Dr. Heiko Blume unterstützt. Gemeinsam mit Spezialistinnen im Bereich Soziologie und interkulturelle Integration wurden Flüchtlingshelfer in kurzer Zeit zu Multiplikatoren ausgebildet.
In dieser ersten Phase lag der Schwerpunkt auf der unmittelbaren Integration der neu angekommenen Menschen. In Uelzen entstanden erste Integrationskurse. Die Projektleiter Prof. Dr. Markus Launer und Dipl. Volkswirt Joachim Delekat unterstützten das Aufnahmeprogramm vor Ort. Es ging darum, möglichst schnell eine tragfähige Struktur aufzubauen, die sowohl den ehrenamtlichen Helfern als auch den Flüchtlingen Orientierung geben konnte.
Für die Ausbildung der Integrationshelfer wurden mehrere Experten eingebunden. Dr. Noeme Hermeking übernahm das Grundlagentraining zur interkulturellen Integration. Pari Niemann vermittelte praktische Kenntnisse der interkulturellen Kommunikation. Bachir Yzidi vom Ausländeramt Uelzen erklärte rechtliche Grundlagen des Asylrechts und die praktischen Abläufe in der Verwaltung. Diese Inhalte waren für die Helfer besonders wichtig, da die praktische Integrationsarbeit nicht nur menschliches Einfühlungsvermögen erforderte, sondern auch Kenntnisse über Behörden, Verfahren und Rechtsgrundlagen.
Im Laufe der Jahre wurden über dieses Portal mehr als 100 Online Kurse angeboten. Beteiligt waren Spezialistinnen und Spezialisten wie Dr. Frithiof Svenson, Dr. Noeme Hermeking, Dr. Anne Kathrin Auer, Dr. Alexandra von Ilsemann, OStR Frank Nierath, Dipl. Phys. Dirk Schneider, Joachim Delekat als Projektleiter, Pari Niemann, Bachir Yzidi, Julia Nohns, Katrin Gildner, Devonry Legarte und Clara Böse. Diese große Zahl an Dozierenden zeigt, wie breit das Themenspektrum des Programms von Beginn an angelegt war. Die Inhalte reichten von interkultureller Kommunikation über Asylrecht und Verwaltung bis hin zu Geschichte, Identität, Motivation, Arbeitsmarktintegration und Sprachförderung. Für den Zeitraum 2015 bis 2020 wurde hierzu eine eigene Dokumentation erstellt.
Viele der Flüchtlinge waren junge Männer, die nicht nur Schutz suchten, sondern auch langfristig berufliche Perspektiven in Deutschland entwickeln wollten. Dadurch wurde früh klar, dass Integration nicht bei der Erstaufnahme enden durfte, sondern auf Bildung, Sprache, soziale Orientierung und später auch Arbeitsmarktintegration ausgerichtet sein musste.
Das Multiplikatorenmodell
Um möglichst viele Helfer schnell auszubilden, entwickelte das Institut ein sogenanntes Train the Trainer Modell. Zunächst wurden zehn Integrationshelfer über E Learning geschult. Diese wurden zu Multiplikatoren und bildeten jeweils weitere Helfer aus.
Die Struktur entwickelte sich wie folgt: Zehn Trainer bildeten einhundert Integratoren aus. Diese wiederum betreuten jeweils etwa zehn Flüchtlinge. Zwischen 2016 und 2017 wurden auf diese Weise etwa einhundert Multiplikatoren ausgebildet. Daraus entstanden rund eintausend qualifizierte Integrationshelfer, die insgesamt etwa zehntausend Flüchtlinge unterstützten.
Dieses Modell war deshalb besonders wirkungsvoll, weil es Wissen nicht zentral bündelte, sondern schnell in die Fläche brachte. Gerade in einer Situation, in der akuter Handlungsbedarf bestand und professionelle Integrationsstrukturen vielerorts noch nicht aufgebaut waren, ermöglichte das Multiplikatorenmodell eine schnelle und zugleich relativ qualifizierte Unterstützung.
Integration in den Arbeitsmarkt
Ab dem Jahr 2018 verlagerte sich der Schwerpunkt der Arbeit auf die Integration in den Arbeitsmarkt. Nachdem sich die allgemeine Flüchtlingshilfe in Deutschland verbessert hatte, unterstützte ein neues Team um Prof. Dr. Markus Launer gezielt den nächsten wichtigen Schritt, nämlich die berufliche Integration.
Mit Personalspezialistinnen und Personalspezialisten wie Dr. Anne Kathrin Auer und Joachim Delekat wurden rechtliche, integrative, motivationale und prozessuale Unterstützungsangebote entwickelt. Markus Launer hielt Vorlesungen zu internationalem und interkulturellem Management. Dr. Anne Kathrin Auer führte Personaltrainings für Unternehmen durch. Joachim Delekat betreute die Geflüchteten individuell und bereitete sie auf Bewerbungsgespräche, Bewerbungsunterlagen und den Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt vor.
In dieser Phase wurde deutlich, dass Integration in den Arbeitsmarkt mehr bedeutet als die Vermittlung eines Jobs. Es ging auch um Erwartungen, berufliche Kultur, Kommunikation im Unternehmen, Motivation und das Verständnis formaler Abläufe. Deshalb wurden Unternehmen ebenso einbezogen wie die Flüchtlinge selbst.
In einer weiteren Phase wurden Flüchtlingen und Bedürftigen Unterstützungsangebote auch direkt angeboten, zum Beispiel bei der Integration in Deutschland im Alltag. Insbesondere Dr. Alexandra von Ilsemann und OStR Frank Nierath boten Integrationsvorlesungen online an, unter anderem zu Geschichte, Kultur und Identität. Damit wurde der Fokus noch stärker auf gesellschaftliche Orientierung, kulturelles Verständnis und Zugehörigkeit gelegt.
Gleichzeitig wurden über die Sprachschule LinguaTV Sprachangebote an berufsbildenden Schulen ermöglicht. Auch hierzu wurde eine Dokumentation in Form eines YouTube Videos erstellt. Die Verbindung aus Sprachförderung, Kulturvermittlung und arbeitsmarktbezogener Unterstützung machte das Programm zunehmend breiter und praxisnäher.
Frank Nierath entwickelte parallel einen Kurs zur deutschen Kultur. Daraus entstand später der Kurs Leben in Deutschland. Ergänzend bot Dr. Alexandra von Ilsemann Veranstaltungen zur deutschen Geschichte an. Diese Kurse zielten darauf ab, das Verständnis für deutsche Gesellschaft, demokratische Werte, historische Entwicklungen und kulturelle Gepflogenheiten zu fördern.
Integration mit deutscher klassischer Musik
Johann Sebastian Bach (1685–1750) steht für die enge Verbindung von Musik, Religion und Bildung in der deutschen Kultur. Seine Kantaten, Passionen und Orgelwerke zeigen, welche Bedeutung die protestantische Kirchenmusik für das gesellschaftliche Leben hatte. Wer sich mit Bach beschäftigt, kann verstehen, wie stark Musik in Deutschland über Jahrhunderte mit Glauben, Bildung und Gemeindeleben verbunden war.
Georg Friedrich Händel (1685–1759) ist ein Beispiel für kulturelle Offenheit und europäische Vernetzung. Obwohl er in Halle geboren wurde, arbeitete er lange in Italien und England und wurde schließlich britischer Staatsbürger. An seinem Leben lässt sich erkennen, dass kultureller Austausch und Migration schon früh Teil der europäischen Musikgeschichte waren.
Christoph Willibald Gluck (1714–1787) zeigt, wie Reformen und neue Ideen die Kultur verändern können. Seine Opernreformen zielten darauf ab, Musik verständlicher und näher an der Handlung zu gestalten. Für Integrationsarbeit lässt sich daraus lernen, dass kulturelle Traditionen sich weiterentwickeln und immer wieder neu interpretiert werden.
Ludwig van Beethoven (1770–1827) verkörpert zentrale Werte der europäischen Aufklärung wie Freiheit, Menschenwürde und Brüderlichkeit. Besonders seine 9. Sinfonie mit der „Ode an die Freude“ steht heute symbolisch für europäische Gemeinschaft. Seine Musik zeigt, wie kulturelle Werke gesellschaftliche Ideale ausdrücken können.
Carl Maria von Weber (1786–1826) griff in seiner Oper „Der Freischütz“ Themen der deutschen Natur, Volkskultur und Sagenwelt auf. Seine Werke vermitteln Einblicke in romantische Vorstellungen von Landschaft, Gemeinschaft und Tradition, die für das kulturelle Selbstverständnis Deutschlands lange prägend waren.
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847) steht für Bildung, kulturelle Offenheit und religiöse Vielfalt. Als Komponist jüdischer Herkunft spielte er eine wichtige Rolle im deutschen Musikleben und trug wesentlich dazu bei, die Musik Johann Sebastian Bachs wiederzuentdecken. Seine Biografie zeigt, wie kulturelle Vielfalt die deutsche Musik bereichert hat.
Robert Schumann (1810–1856) verband Musik eng mit Literatur und Poesie. Seine Werke zeigen, wie stark die deutsche Romantik Kunst, Gefühle und Gedanken miteinander verknüpfte. Durch Schumann lässt sich verstehen, welche Bedeutung Literatur, Bildung und künstlerische Ausdrucksformen für die deutsche Kultur haben.
Richard Wagner (1813–1883) entwickelte mit seinen Musikdramen die Idee des „Gesamtkunstwerks“, in dem Musik, Dichtung, Bühne und Mythologie zusammenwirken. Seine Werke greifen häufig germanische Sagen und Legenden auf. Dadurch lässt sich nachvollziehen, wie kulturelle Mythen und historische Vorstellungen Teil nationaler Identitätsbildung wurden.
Johannes Brahms (1833–1897) steht für die Verbindung von Tradition und Erneuerung. Er orientierte sich an klassischen Formen, entwickelte sie jedoch weiter. Seine Musik zeigt, wie kulturelle Kontinuität und Veränderung gleichzeitig Teil einer lebendigen Gesellschaft sein können.
Richard Strauss (1864–1949) spiegelt in seinen Opern und sinfonischen Dichtungen die kulturellen und gesellschaftlichen Umbrüche des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts wider. Seine Werke zeigen, wie Kunst auf gesellschaftliche Veränderungen reagiert und diese reflektiert.
Carl Orff (1895–1982) machte mit „Carmina Burana“ mittelalterliche Texte und Rhythmen einem modernen Publikum zugänglich. Gleichzeitig entwickelte er mit dem Orff-Schulwerk eine Musikpädagogik, die gemeinsames Musizieren und kreatives Lernen fördert. Seine Arbeit zeigt, wie Musik Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenbringen kann.
Paul Hindemith (1895–1963) steht für die kulturelle Erneuerung des 20. Jahrhunderts und für die Bedeutung von Musikbildung. Er setzte sich stark für musikalische Ausbildung und kulturelle Teilhabe ein. Seine Arbeit verdeutlicht, dass Kultur nicht nur Tradition bewahrt, sondern auch aktiv gestaltet und weiterentwickelt wird.
Integration mit deutscher Dichtung
Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781) gehört zu den wichtigsten Vertretern der deutschen Aufklärung. Sein Drama „Nathan der Weise“ vermittelt die Idee religiöser Toleranz und gegenseitigen Respekts zwischen Juden, Christen und Muslimen. Für Integrationsarbeit ist dieses Werk besonders wertvoll, weil es zeigt, dass Verständigung zwischen verschiedenen Religionen und Kulturen ein zentrales Ideal der europäischen Aufklärung ist.
Immanuel Kant (1724–1804) prägte mit seiner Philosophie grundlegende Ideen über Vernunft, Moral und Verantwortung. Sein berühmter Gedanke vom „kategorischen Imperativ“ fordert, dass Menschen einander mit Respekt und Würde begegnen sollen. Für Integrationskurse kann Kant helfen zu erklären, warum Menschenwürde, Rechtsstaatlichkeit und individuelle Freiheit wichtige Grundlagen der deutschen Verfassung sind.
Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) gilt als der bedeutendste deutsche Dichter. Seine Werke wie „Faust“ oder seine Gedichte zeigen den Wert von Bildung, persönlicher Entwicklung und geistiger Offenheit. Goethe war zudem stark an anderen Kulturen interessiert und beschäftigte sich beispielsweise intensiv mit orientalischer Literatur. Dadurch kann er als Beispiel für kulturellen Dialog und Neugier auf andere Kulturen dienen.
Friedrich Schiller (1759–1805) behandelte in seinen Dramen zentrale Themen wie Freiheit, Gerechtigkeit und moralische Verantwortung. Werke wie „Wilhelm Tell“ oder „Die Räuber“ zeigen, wie wichtig persönliche Freiheit und politische Mitbestimmung sind. In der Integrationsarbeit können seine Texte helfen, demokratische Werte und das Verständnis von Freiheit in der europäischen Tradition zu erklären.
Friedrich Hölderlin (1770–1843) verband in seiner Lyrik Natur, Philosophie und menschliche Sehnsucht nach Harmonie. Seine Gedichte zeigen eine tiefe Verbindung zwischen Mensch, Natur und Kultur. Für Flüchtlinge kann diese Literatur einen Zugang zu der romantischen Naturvorstellung bieten, die in der deutschen Kultur eine wichtige Rolle spielt.
Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770–1831) entwickelte eine umfassende Philosophie von Geschichte, Gesellschaft und Staat. Seine Ideen betonen, dass sich Gesellschaften im Laufe der Geschichte weiterentwickeln und verändern. In Integrationskontexten kann dies helfen zu verstehen, dass auch moderne Gesellschaften Ergebnis langer historischer Entwicklungen sind.
Heinrich Heine (1797–1856) war ein Dichter, der Literatur mit politischer Beobachtung und gesellschaftlicher Kritik verband. Als deutscher Jude, der einen großen Teil seines Lebens im Exil in Paris verbrachte, verkörpert er selbst eine Biografie zwischen Kulturen. Seine Texte können zeigen, dass kulturelle Vielfalt und kritisches Denken seit langem Teil der deutschen Literatur sind.
Arthur Schopenhauer (1788–1860) entwickelte eine Philosophie, die sich intensiv mit menschlichem Leiden, Mitgefühl und moralischer Verantwortung beschäftigt. Für Integrationsarbeit kann sein Denken helfen zu verdeutlichen, dass Mitgefühl und Empathie wichtige Grundlagen des Zusammenlebens sind.
Friedrich Nietzsche (1844–1900) hinterfragte bestehende Werte, Moralvorstellungen und gesellschaftliche Normen. Seine Philosophie fordert Menschen dazu auf, eigenständig zu denken und Verantwortung für ihr eigenes Leben zu übernehmen. Diese Haltung kann helfen, kritisches Denken und persönliche Selbstverantwortung zu fördern.
Thomas Mann (1875–1955) setzte sich in seinen Romanen intensiv mit deutscher Geschichte, Kultur und politischen Entwicklungen auseinander. Werke wie „Buddenbrooks“ oder „Der Zauberberg“ zeigen die geistigen Debatten des 19. und 20. Jahrhunderts. Für Integrationsarbeit kann seine Literatur helfen, historische Entwicklungen Deutschlands und Europas besser zu verstehen.
Hermann Hesse (1877–1962) beschäftigte sich in seinen Büchern mit Fragen der Identität, Selbstsuche und inneren Entwicklung. Werke wie „Siddhartha“ verbinden europäische und asiatische Gedankenwelten. Dadurch können seine Texte Brücken zwischen verschiedenen kulturellen Traditionen schlagen.
Bertolt Brecht (1898–1956) entwickelte ein Theater, das gesellschaftliche Probleme kritisch hinterfragt und zum Nachdenken anregen soll. Seine Stücke zeigen soziale Konflikte, Ungerechtigkeit und politische Verantwortung. Für Integrationsarbeit können sie dazu beitragen, Diskussionen über gesellschaftliche Fragen, Demokratie und soziale Verantwortung anzuregen.
Neue Bildungsprogramme seit 2020
Seit dem Jahr 2020 bietet das Institut ein standardisiertes Integrationsprogramm an. Die Angebote wurden dabei nicht nur verstetigt, sondern auch fachlich weiterentwickelt. Zusätzlich entstanden spezielle Formate, darunter Kurse zu deutscher und österreichischer Musik und Liedtexten sowie der Kurs Leben in Deutschland, der zugleich eine Vorbereitung auf die Einbürgerung darstellt.
Gerade diese kulturell orientierten Programme zeigen, dass Integration nicht nur durch Verwaltung, Sprache und Beruf gelingt, sondern auch durch ein besseres Verständnis der kulturellen Identität des Aufnahmelandes. Musik, Geschichte, Werte, Symbole und gesellschaftliche Erfahrungen wurden deshalb bewusst als Bildungsinhalte aufgenommen.
Eine deutsche Staatsbürgerschaft kann in der Regel nach sechs bis acht Jahren Aufenthalt beantragt werden, bei einer Ehe mit einem deutschen Staatsbürger bereits nach drei Jahren. Der Kurs Leben in Deutschland wurde deshalb auch als praktische Orientierung für Menschen entwickelt, die dauerhaft in Deutschland leben und später möglicherweise die Einbürgerung anstreben.
2020 und 2021 im laufenden Integrationsbetrieb
In den Jahren 2020 und 2021 lief die Integrationsarbeit des Instituts trotz der veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen weitgehend im kontinuierlichen Betrieb weiter. Vorlesungen, Seminare und Online-Angebote wurden weiterhin regelmäßig durchgeführt und bildeten einen wichtigen Bestandteil der Bildungs- und Integrationsarbeit. Prof. Dr. Markus Launer lehrte Themen der interkulturellen Integration sowie internationales und interkulturelles Management. Dabei ging es insbesondere darum, Flüchtlingen und internationalen Teilnehmern ein Verständnis für kulturelle Unterschiede, Kommunikationsformen und Arbeitsweisen in einer globalisierten Wirtschaft zu vermitteln. Gleichzeitig wurde deutlich gemacht, wie interkulturelle Kompetenz im Berufsleben, in Organisationen und im gesellschaftlichen Alltag eine wichtige Rolle spielt.
Joachim Delekat vermittelte Inhalte aus der Verwaltungswissenschaft sowie den Kurs „Leben in Deutschland“, in dem grundlegende Kenntnisse über staatliche Strukturen, Verwaltung, Rechtsordnung und gesellschaftliche Regeln behandelt wurden. Ein wichtiger Bestandteil war die Einführung in das politische System Deutschlands, etwa die Funktionsweise von Wahlen, die Rolle von Bundestag und Bundesrat sowie die Bedeutung der kommunalen Politik für das tägliche Leben der Bürger. Ebenso wurde das Grundgesetz als zentrale Grundlage des deutschen Staates erläutert, insbesondere seine Prinzipien wie Menschenwürde, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie. Darüber hinaus wurden gesellschaftliche Grundwerte thematisiert, darunter Gleichstellung von Frauen und Männern, Frauenrechte, Religionsfreiheit sowie das Zusammenleben in einer pluralistischen Gesellschaft. Diese Veranstaltungen halfen den Teilnehmern, das politische und institutionelle System Deutschlands besser zu verstehen und sich im Alltag sowie im gesellschaftlichen Leben sicherer zu orientieren.
OStR Frank Nierath startete darüber hinaus einen Vorbereitungskurs für junge Flüchtlinge, der sie gezielt auf das deutsche Abitur vorbereiten sollte. Ziel war es, motivierten Jugendlichen eine Perspektive auf höhere Bildungsabschlüsse und ein mögliches Studium zu eröffnen. Viele Teilnehmer verfügten bereits über schulische Vorkenntnisse aus ihren Herkunftsländern, mussten sich jedoch zunächst an Sprache, Lernmethoden und Anforderungen des deutschen Bildungssystems anpassen. Daher standen der Ausbau der Deutschkenntnisse sowie Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens im Mittelpunkt, etwa strukturiertes Schreiben, Referate und der Umgang mit Quellen. Ergänzend wurden Inhalte der Betriebswirtschaftslehre vermittelt, um wirtschaftliche Zusammenhänge und unternehmerisches Denken kennenzulernen. Ein weiterer Bestandteil war die Beschäftigung mit deutscher Kultur, Literatur und gesellschaftlichen Traditionen, um das Verständnis für das kulturelle Umfeld in Deutschland zu vertiefen.
Dr. Frithiof Svenson widmete sich insbesondere den Themen Inklusion und Entrepreneurship für Flüchtlinge. In seinen Veranstaltungen wurde vermittelt, wie gesellschaftliche Teilhabe gelingen kann und welche Möglichkeiten es gibt, durch unternehmerisches Denken, Eigeninitiative und wirtschaftliche Aktivitäten neue Perspektiven zu entwickeln. Insgesamt setzte das Institut damit auch in den Jahren 2020 und 2021 seine Arbeit im Bereich Bildung, Integration und gesellschaftlicher Teilhabe kontinuierlich fort und hielt seine vielfältigen Angebote für Flüchtlinge und internationale Teilnehmer aufrecht.
Ukrainekrieg und neue Aufgaben
Mit dem Ukrainekrieg im Jahr 2022 entstand erneut eine große Flüchtlingsbewegung nach Europa. Rund eine Million Menschen aus der Ukraine kamen nach Deutschland. In diesem Fall handelte es sich überwiegend um Frauen und Kinder, da viele Männer in der Ukraine bleiben mussten. Für die Integrationsarbeit ergaben sich dadurch besondere Schwerpunkte. Die Integration verlief in vielen Fällen vergleichsweise schnell, insbesondere durch den Schulbesuch der Kinder, der ihnen einen raschen Zugang zur deutschen Sprache und zum sozialen Umfeld ermöglichte. Gleichzeitig bemühten sich viele Mütter um den Einstieg in den Arbeitsmarkt oder nahmen an Qualifizierungsmaßnahmen teil. Eine zentrale Rolle spielte dabei weiterhin der Sprachunterricht, der als wichtigste Voraussetzung für Bildung, Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe gilt.
Die Situation unterschied sich in mehreren Punkten von der Flüchtlingsbewegung des Jahres 2015. Die Flucht war stärker durch Familien geprägt, und viele Frauen mussten sich in Deutschland eigenständig um Kinder, Bildung und berufliche Perspektiven kümmern. Zudem wurden Kinder relativ schnell in Schulen und Kindertagesstätten aufgenommen, wodurch soziale Kontakte und Integration im Alltag erleichtert wurden. Auch der Zugang zum Arbeitsmarkt konnte in vielen Regionen schneller erfolgen. Dennoch blieb die sprachliche und gesellschaftliche Orientierung eine zentrale Aufgabe, um langfristige Integration und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.
Parallel organisierte Prof. Dr. Markus Launer eine internationale Online-Vorlesungsreihe für ukrainische Hochschuldozenten. Daraus entwickelte sich eine wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Prof. Marja Nesterova von der Dragomanov Ukrainian State University sowie mit Prof. Daria Suprun von der National Pedagogical Dragomanov University in Kiew. Ziel dieser Kooperation war es, trotz der schwierigen Situation in der Ukraine wissenschaftlichen Austausch aufrechtzuerhalten und die Forschung dort zu unterstützen. Über die Vorlesungsreihe und gemeinsame Kontakte konnten internationale Netzwerke aufgebaut und gestärkt werden, die ukrainischen Wissenschaftlern Zugang zu internationalen Diskussionen, Kooperationen und akademischen Ressourcen ermöglichten. Inhaltlich beschäftigte sich ein Teil der Zusammenarbeit auch mit aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen in der Ukraine, etwa mit Forschung zu Traumata, zu Behinderungen von Soldatinnen und Soldaten infolge des Krieges sowie mit den sozialen und psychologischen Auswirkungen eines Lebens unter anhaltendem Kriegseinfluss. Die Kooperation zeigt, dass das Institut nicht nur Integrationsarbeit mit Geflüchteten leistet, sondern zugleich internationale wissenschaftliche Netzwerke nutzt, um Bildungs- und Forschungsarbeit auch unter schwierigen Bedingungen weiterzuentwickeln.
Neue Herausforderung: Integration des Islam
Der Islam umfasst verschiedene Strömungen – von Schiiten und Sunniten bis hin zu kleineren Gruppen wie den Ibaditen – und ist mit über 1,9 Milliarden Gläubigen eine der größten Religionen der Welt. In Deutschland zählen Sicherheitsbehörden rund 12.000 Salafisten; diese konservative Strömung innerhalb des sunnitischen Islam versucht, zum Glauben der ersten Generationen des Islam zurückzukehren. Insgesamt gibt es im Islam zahlreiche Glaubensrichtungen, Rechtsschulen und religiöse Traditionen, die sich historisch, theologisch und kulturell entwickelt haben.
Zwischen der Türkei, dem Iran (Schiiten) und Saudi-Arabien (Sunniten) besteht seit Jahrzehnten eine politische und religiöse Rivalität. Besonders komplex ist die Situation im Irak mit seiner religiös gemischten Bevölkerung: Rund 60 % sind Schiiten und etwa 40 % Sunniten.
Prof. Launer, der selbst in Berlin lebt, erlebt die Demonstrationen und Ausschreitungen vor dem Brandenburger Tor und am Alexanderplatz aus nächster Nähe. Dabei wird deutlich: Deutschland ist nicht Ursprung dieser Konflikte, doch ihre Auswirkungen werden hier sichtbar. Umso wichtiger ist es, diese Herausforderungen behutsam, aber klar anzugehen.
Fazit
Die Arbeit des Instituts zeigt, dass Integrationsprogramme ständig an neue gesellschaftliche Entwicklungen angepasst werden müssen. Die Angebote des Instituts wurden deshalb über die Jahre hinweg fortlaufend weiterentwickelt und an aktuelle Herausforderungen angepasst.
Die Geschichte des Instituts zeigt eindrucksvoll, was aus ehrenamtlichem Engagement entstehen kann. Aus einer kleinen Initiative während der Flüchtlingskrise entwickelte sich ein Netzwerk aus Integrationsarbeit, Online Bildung, fachlicher Weiterbildung und wissenschaftlichem Austausch.
Als gemeinnützige Organisation ohne staatliche Grundfinanzierung musste das Institut flexibel auf neue Herausforderungen reagieren. Gerade darin liegt eine besondere Leistung. Das Institut hat auf akute Krisen reagiert, neue Bedarfe erkannt, Fachleute eingebunden, digitale Angebote aufgebaut und seine Programme immer wieder neu ausgerichtet.
Die Fallstudie macht deutlich, dass Integration kein starres Modell ist, sondern ein dynamischer Prozess. Sie zeigt zugleich, dass gemeinnützige Organisationen mit Engagement, Fachwissen und Anpassungsfähigkeit einen wichtigen Beitrag leisten können, um Flüchtlinge und Migranten nicht nur kurzfristig zu unterstützen, sondern ihnen langfristige Perspektiven in Deutschland zu eröffnen.
Foto: privat