Museumsdorf Hösseringen eröffnet Ausstellung „Narrenfreiheit“
- Subtitle: Hösseringen
Hösseringen. „Ich freue mich sehr, meine Freunde wiederzusehen. Alle sind hier, nicht im Spencerdorf, sondern im Museumsdorf!“ Kasi, der flauschige rote „Hallo-Spencer-Held“ ist um einen guten Spruch selten verlegen. Und auch im Rahmen der Ausstellungseröffnung „Narrenfreiheit. Geschichte des Handpuppentheaters“ im Museumsdorf Hösseringen – „am Po der Welt“ – meisterte er die Moderation mit Charme und Humor.
„Einer, der es geschafft hat aus Suderburg in die große Stadt, nämlich nach Hannover“ kündigte er den Vereinsvorsitzenden Jörg Hillmer an. Dieser nutzte die Gelegenheit, um allen Leihgebern und Beteiligten für ihr Engagement zu danken. Nachdem Kasi geklärt hatte, dass MdL nicht „mit der Lederhose“ bedeutet, kamen Museumsleiter Dr. Ulrich Brohm und die Hauptleihgeberinnen, Irmgard und Christa Pastors aus Viersen am Niederrhein, zu Wort. Die Zwillingsschwestern hatten das Museumsdorf auf einer Reise zufällig entdeckt und boten ihre umfangreiche Sammlung spontan für eine Ausstellung an.
„Der Kasper und seine Freunde begleiten uns schon ein Leben lang“, erzählen sie. Doch irgendwann sei ihnen aufgefallen, dass die vertrauten Figuren nach und nach aus den Kinderzimmern verschwänden – und so begann ihre Sammelleidenschaft. Sie stöberten auf Flohmärkten und später auch im Internet, besuchten Herstellerfirmen und fahndeten nach alten Exemplaren. Etwa 2000 Puppen und Ausstattungsstücke umfasst ihre Sammlung heute, 280 haben sie nach Hösseringen mitgebracht. Weitere Leihgeber sind das Münchner Marionettentheater, Martin Lessmann und Herbert Lange sowie Winfried Debertin.
„Im Narrengewand kann man Dinge tun, die ansonsten unter Strafe stehen – und das ist die Narrenfreiheit. Auch der Kasper begehrt gegen die Obrigkeit auf, manchmal komisch, oft anstößig und selten rücksichtsvoll“, erläuterte der stellvertretende Museumsleiter Dr. Björn Thomann das Konzept der Ausstellung. Das europäische Puppenspiel ist bis ins 3. Jahrhundert vor Christus zurückzuverfolgen. Im römischen Reich sorgten reale Schauspieler mit Ledermasken für derbe Unterhaltung und mitunter auch politische Anspielungen. Im Mittelalter wurden die Kappe und der Knüppel zu wichtigen Attributen des Kaspers, der für seine volksnahen und oft drastischen Darstellungen bekannt war. Dieses Bild wandelte sich im 20. Jahrhundert. Der Kasper trat nun als Freund mit Witz und Humor auf, der insgesamt jedoch rechtschaffen handelte.
All diese Themen sind in der Sonderausstellung zu einer „Familienausstellung“ gebündelt. Vom Jahrmarkttheater bis hin zum Einzug in die digitalen Medien und vom groben Possenreißer bis zur fröhlichen Muppet Show wird die Geschichte der Handpuppen erzählt. Kleine Besucher können ihre Lieblingsfiguren entdecken und sich im Puppenspiel üben. Eine Theatervorstellung rundete den Eröffnungstag ab. Martin Lessmann und Herbert Lange vom Puppentheater „GRIMMbim“ gaben mit „Rumpelstilzchen“ eine wunderbare Kostprobe ihres Könnens.
Fotos: Museumsdorf Hösseringen