Lüneburg/Uelzen. Ein gefeiertes technisches Meisterwerk, das endlich den Mittellandkanal mit der Elbe und damit dem großen Seehafen Hamburg verband: Der Elbe-Seitenkanal wurde vor 50 Jahren eröffnet. Nur wenige Wochen später jedoch, am 18. Juli, trat der schlimmste Fall ein - der Damm brach. Vier Millionen Liter Wasser traten aus und fluteten 15 Quadratkilometer Fläche bei Adendorf. Ein Großeinsatz für das THW Lüneburg und Uelzen, ein Wettlauf gegen die Zeit. Denn alles deutete darauf hin, dass sich eine Katastrophe anbahnte.
Die Gefahr drohte aus Norden und Süden gleichzeitig. Es galt, riesige Wassermengen im gesamten Kanalabschnitt zwischen Scharnebeck und Uelzen zu stoppen.
Gleichzeitig machten sich Feuerwehren, das THW und die Bundeswehr fieberhaft daran, Menschen aus den überfluteten und zerstörten Häusern bei Adendorf zu retten.
In Richtung Scharnebeck konnte das Sicherheitstor bei Erbstorf geschlossen und die dortige Gefahr gebannt werden.
Wesentlich bedrohlicher war die Strecke in Richtung Uelzen, wo die nächste Absperrung mit Spundwänden erst in mehr als 25 Kilometer Entfernung bei Jastorf verfügbar war.
Kräfte des THW Uelzen errichteten an der dortigen Brücke eine Sandsacksperre, die den Zufluss des Kanalwassers aus Richtung Süden abriegeln sollte. Das Ausleuchten verschiedener Einsatzstellen in der Nacht zum 19. Juli gehörte ebenfalls zu THW-Aufgaben. Weitere THW-Kräfte aus Hamburger Ortsverbänden füllten an verschiedenen Stellen Sandsäcke und brachten sie mit Lastwagen an die Einsatzstellen. Insgesamt waren 300 THW-Helferinnen und -Helfer im Einsatz, der insgesamt 16 Stunden dauerte.
Um das Auslaufen des südlichen Kanalabschnittes zu verhindern, wurde außerdem versucht, ein Binnenschiff im Kanal querzustellen, um so eine erste Barriere zu bilden und die Strömung zu bremsen. Nachdem dies gescheitert war, da die Halteseile des Schiffes rissen, fuhren stattdessen Bergepanzer der Bundeswehr in den Kanal, um die Strömung zu beruhigen. In der Folge gelang es nach 15 Stunden endlich, eine provisorische Absperrung aus Metallteilen, Sandsäcken, Steinen und Kies zu errichten.
Anschließend konnte der Kanal instand gesetzt und im Juni 1977 endgültig dem Verkehr übergeben werden.
Der Elbe-Seitenkanal wird inzwischen von 15.000 bis 20.000 Schiffen jährlich passiert, die dabei bis zu zehn Millionen Tonnen Fracht transportieren.
Die Aushubstellen entlang des Kanals, aus denen Boden für den Dammbau entnommen wurde, sind heutzutage beliebte Naherholungsgebiete, etwa unser O-See oder der Tankumsee bei Gifhorn. Der Kanaldamm selbst ist bei Radwanderern und Spaziergängern sehr beliebt. Angler schätzen den Fischreichtum des Gewässers, unter anderem Rapfen, Zander und Flussbarsche.
Text: THW Lüneburg, Wikipedia, Fotos: THW