UEN-Kolumne mit Janith Lemmermann – Süßer Rohstoff, bitterer Preis: Die Rübenkampagne 2026 und die Frage nach der Wirtschaftspolitik im Landkreis Uelzen
Mitte September rollten wieder die Erntemaschinen über die Felder im gesamten Landkreis – von den Dörfern der Samtgemeinden Aue, Bienenbüttel, Bevensen-Ebstorf und Rosche über das Suderburger Land bis in die Kreisstadt Uelzen selbst. Die Zuckerrübenkampagne beginnt – für viele ein vertrautes, fast beruhigendes Bild des Spätsommers im Landkreis. Doch wer in diesen Tagen mit Landwirten spricht, merkt schnell: Hinter der eingespielten Routine der Ernte steht in diesem Jahr eine wirtschaftlich schwierige Lage. Sinkende Weltmarktpreise, politische Unsicherheit und neue Pflanzenkrankheiten setzen eine der wichtigsten Branchen unserer Region unter Druck.
Ein wichtiger Wirtschaftszweig unter Druck
Der Landkreis Uelzen ist kein beliebiger Wirtschaftsstandort. Mit rund 90.000 Hektar Zuckerrübenanbau macht Niedersachsen bundesweit das Rennen, und ein guter Teil dieser Fläche liegt in und um unseren Landkreis [1]. Die Zuckerfabrik in Uelzen ist damit weit mehr als ein Werk unter vielen – sie ist ein industrieller Ankerpunkt, an dem Arbeitsplätze, Zulieferbetriebe und die Existenz zahlreicher landwirtschaftlicher Familienbetriebe hängen.
Zugleich sei fairerweise angemerkt: Sowohl aus der Direktion der Volksbank als auch aus der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit ist zuletzt der Hinweis gekommen, dass der starke Branchenmix des Landkreises die Wirtschaft insgesamt stabil halte. Die Herausforderungen der Rübenbranche sind also kein Signal für eine Krise des gesamten Standorts – für die betroffenen Betriebe und Familien ist die Belastung durch die aktuelle Preis- und Kostensituation aber dennoch spürbar.
Wo der Druck auf die heimische Landwirtschaft entsteht
Drei Problemfelder beschäftigen den Wirtschaftszweig Zuckerrübe in unserer Region derzeit:
Der Preisverfall am Weltmarkt: Eine anhaltende Überversorgung an Zucker in EU und Weltmarkt hat die Preise über Monate auf Talfahrt geschickt. Die Rübenanbauer in unserer Region müssen in dieser Kampagne mit spürbar niedrigeren Erlösen kalkulieren – bei gleichzeitig gestiegenen Kosten für Diesel und Düngemittel [1].
Neue Pflanzenkrankheiten als wirtschaftliches Risiko: Mit SBR und Stolbur breiten sich zwei Erreger aus, die über die Schilf-Glasflügelzikade übertragen werden und Ertrags- und Qualitätseinbußen verursachen können. Auch im östlichen Niedersachsen wurden sie bereits nachgewiesen [1].
Politische Unsicherheit: Die Diskussion um eine Zuckersteuer und neue Freihandelsabkommen mit wachsenden Importmengen erschweren die unternehmerische Planung in der Branche [1].
Für einen Landkreis, dessen Haushalt selbst unter Druck steht – 2025 verzeichnete Uelzen ein Defizit von 18 Millionen Euro [2] –, ist das eine zusätzliche Belastung, auch wenn der Gesamtstandort laut Volksbank und Arbeitsagentur stabil bleibt.
Was der Landkreis tun kann
Aus der Kampagne 2026 lassen sich einige Handlungsfelder für die regionale Wirtschaftspolitik ableiten:
Der Landkreis könnte sich außerdem gemeinsam mit dem Landvolk und dem Dachverband Norddeutscher Zuckerrübenanbauer auf Landes- und Bundesebene für verlässliche Rahmenbedingungen einsetzen [1].
Die Zuckerrübe ist ein unspektakulärer, aber bedeutender Baustein unserer Region. Auch wenn der Landkreis insgesamt wirtschaftlich breit aufgestellt ist, lohnt sich der Blick darauf, wie gut die Rahmenbedingungen für diesen Wirtschaftszweig vor Ort sind.
Herzlichst Ihr
Janith Lemmermann
Quellen und Nachweise
[1] Landvolk-Pressedienst (31.08.2026): „Niedrige Zuckerpreise kommen bei den Bauern an" – Einschätzungen von Eckhard Hinrichs, Vorsitzender des Dachverbands Norddeutscher Zuckerrübenanbauer (DNZ); auch veröffentlicht bei Uelzener Nachrichten unter dem Titel „Rübenkampagne startet Mitte September – Sinkende Preise setzen Landwirte unter Druck" https://landvolk.net/lpd-meldung/niedrige-zuckerpreise-kommen-bei-den-bauern-an/https://www.uelzener-nachrichten.com/lokales/10411-ruebenkampagne-starte-mitte-september-sinkende-preise-setzen-landwirte-unter-druck
[2] Uelzener Nachrichten (27.05.2026): „Historische Finanzkrise bedroht Landkreise, Städte und Gemeinden – Uelzens Landrat Dr. Blume bei Aktionstag in Hannover" https://www.uelzener-nachrichten.com/lokales/9932-historische-finanzkrise-bedroht-landkreise-staedte-und-gemeinden-uelzens-landrat-blume-bei-aktionstag-in-hannover
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