E-Mobilität: Grüne fordern kreisweites Lade-Konzept – Antrag auf 100.000 Euro für kreiseigene E-Fahrzeuge angenommen
Uelzen/Landkreis. Der russische Überfall und seine internationalen Konsequenzen haben deutlich wie nie die Abhängigkeit Deutschlands von fossilen Brennstoffen aus dem Ausland aufgezeigt. „Nie war der Zeitpunkt für die Umsetzung des Klimaschutzkonzepts für den Landkreis Uelzen drängender als jetzt“, betont Markus Jordan von der Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Gespräch mit den Uelzener Nachrichten. Bereits 2015 verabschiedete der Kreistag ein solches Konzept. Die Grünen kritisieren eine schleppende Umsetzung: „Es wird einfach abgewartet. Dabei gibt es eine EU-Verordnung, die die Kommunen in die Pflicht nimmt. Wir müssen weg von den fossilen Brennstoffen.“
Bei der vorigen Kreistagssitzung wurde ein Antrag der Grünen mit breitem Konsens angenommen, der zusätzliche 100.000 Euro im Haushalt für den Kauf von Elektro-Fahrzeugen für den Landkreis-Fuhrpark vorsieht. Jordan: „Als wesentlichen Erfolgsfaktor zur Erreichung der nationalen Ziele beim Klimaschutz sehen wir eine Verkehrswende an, bei der der Ausbau der Elektromobilität als ein wesentlicher Baustein eingeplant ist. Eine Kommunalverwaltung ist hier in der Vorbildfunktion und sollte aufzeigen, dass der Einsatz von E-Fahrzeugen jetzt der Normalfall ist.“
Sind aber 100.000 Euro angesichts der Preise für ein einzelnes Fahrzeug nicht recht wenig? Jordan erklärt: „Es werden sowieso regelmäßig neue Fahrzeuge für den Fuhrpark des Landkreises angeschafft. Die 100.000 Euro sollen es den Beschaffungsstellen ermöglichen, die jeweiligen Mehrkosten für den Kauf von E-Fahrzeugen zu kompensieren.“
Der angenommene Antrag ist aber nur in Bauteil im Konzept der Kreis-Grünen. Noch ist das Netz der Ladestation im Landkreis Uelzen überschaubar: „Wir brauchen jetzt kommunale Planungen für eine Lade-Infrastruktur. Das Land schafft Möglichkeiten, es gibt ein Förderprogramm für Ladestationen. Ein kreisweites Gesamtprogramm muss her.“ Die Samtgemeinde Aue, in der Markus Jordan auch im Samtgemeinderat sitzt, hat bereits Kontakte aufgenommen und ist im Dialog mit dem Land.
Für die Kreis-Grünen ist E-Mobilität elementar für die Verkehrswende: „E-Fahrzeuge haben eine steigende Akzeptanz und haben ihre Alltagstauglichkeit inzwischen bewiesen.“ Damit einher geht für Markus Jordan ein Solarkonzept: „Wir hatten im Kreistag einen Antrag auf 100.000 Euro für Solaranlagen auf den Dächern der landkreiseigenen Gebäude gestellt.“ Auch wenn der Antrag jetzt von der Mehrheit der Gruppe CDU/UWG/FDP abgelehnt worden sei: „Wir werden da weiter nachhaken.“ Das Ziel ist es auch hier, von fossilen Brennstoffen und Lieferabhängigkeiten wegzukommen. Auch das neue Kreishaus eigne sich ideal für eine große Photovoltaikanlage auf dem Dach.
Für die Grünen spielt bei dem Gesamtkonzept auch eine Gedankenwende in der Landwirtschaft eine Rolle, die den Höfen sogar zusätzlichen Gewinn einbringen könnte: „Im benachbarten Landkreis Lüchow-Dannenberg läuft gerade eine Versuchsreihe zum Thema Agrarphotovoltaik.“ Das Prinzip: Über den Feldern mit Bodenfrüchten werden Solarpaneele auf Stelzen aufgebaut. Damit könnten in den Schattenbereichen auch empfindlichere Früchte angebaut werden, die sonst auf den sommerlich-sengenden Feldern der Heide nicht gedeihen könnten. Der Solarstrom wäre eine zusätzliche Einkommensquelle für die Landwirtschaft. Die Grünen sehen darin weitreichenden Nutzen: „Eine großer Wirtschaftszweig für das regionale Handwerk könnte entstehen, der die Photovoltaikanlagen aufbaut und wartet.“
Archivfoto: Michalzik