Zum Hauptinhalt springen

UEN-Kolumne mit Professor Markus Launer - Gastbeitrag von Sven Rodewald, Agentur für Arbeit Lüneburger Heide: Künstliche Intelligenz (KI) und der regionale Arbeitsmarkt

  • Subtitle: Suderburg

Wie sieht das Arbeitsplatzangebot im Landkreis aus und wie verändern sich Berufe?

Wir wissen bereits heute, dass es kaum Arbeitsplätze geben wird, vor denen die Entwicklung der Künstliche Intelligenz (KI) halt machen wird. In welchen Berufen es eine stärkere und in welchen eine weniger ausgeprägte Betroffenheit geben wird, wie sich der Arbeitsmarkt im Landkreis Uelzen darstellt und welche Unterstützung die Agentur für Arbeit leisten kann. 

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat in seinem Forschungsbericht „Künstliche Intelligenz: Potenzielle Effekte für den deutschen Arbeitsmarkt“ in einer Szenarioanalyse untersucht, welche Wirkungen der Einsatz KI auf das Bruttoinlandsprodukt und den Arbeitskräftebedarf in Deutschland innerhalb der kommenden 15 Jahre entfalten könnte. Vorausschicken möchte ich an dieser Stelle, dass sich die Zahl der Arbeitsplätze im KI-Szenario auf ähnlichem Niveau wie im Referenzszenario befindet. Gleichwohl gibt es Verschiebungen; in einigen Wirtschaftsbereichen steigt der Arbeitskräftebedarf in anderen sinkt er.

In der Forschung besteht Konsens darüber, dass bestimmte komplexe Routineaufgaben an Bedeutung verlieren werden. Im Gegenzug werden komplexere, spezifische menschliche Fähigkeiten an Wert gewinnen. Der Branchenmix und das daraus hervorgehende Arbeitsplatzangebot im Landkreis Uelzen stellt sich wie folgt dar: Es gibt mehr als 31.500 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze im Landkreis Uelzen. Mehr als zwei Drittel der Arbeitsplätze werden von Beschäftigten, die über einen Berufsabschluss verfügen, eingenommen; 13 Prozent verfügen über keinen Berufsabschluss und 12 Prozent über einen akademischen Abschluss. Seit einigen Jahren war und ist der Bereich Gesundheits- und Sozialwesen mit mehr als 8.700 Arbeitsplätzen der größte Bereich, gefolgt von Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kfz mit 4.600 Arbeitsplätzen und dem Verarbeitenden Gewerbe mit 4.300 Arbeitsplätzen.

Der Job-Futuromat bietet bereits heute einen Einblick darin, welche Tätigkeiten innerhalb eines Berufes automatisierbar sind. Online kann man mit wenigen Klicks feststellen, wie es in Punkto Automatisierbarkeit aussieht. Als Beispiele für den Landkreis Uelzen dienen zum einen der Gesundheits- und Krankenpfleger. Für diesen Beruf sieht der Job-Futuromat neun Kerntätigkeiten vor, von denen heute zwei, also etwas mehr als ein Fünftel automatisierbar sind; nämlich Krankenhaus- und Praxishygiene sowie Krankenhausinformationssysteme.

Schauen wir in den Beruf des Anlagen- und Maschinenführers in der Lebensmittelindustrie wären elf von 12 Kerntätigkeiten bereits automatisierbar. Die Ersetzbarkeit von Tätigkeiten ist jedoch nicht mit dem Abbau von Arbeitsplätzen gleichzusetzen; gleichwohl bedeutet er aber Wandel.

Welche Chancen und Risiken gibt es?

Die Berufswelt unterliegt nicht erst heute einem Wandel. Immer schon gab es Berufe, die verschwanden, wie beispielsweise der Stellmacher, die sich grundlegend veränderten und in neuen Berufen aufgingen, zum Beispiel der Kfz-Mechaniker zum Kfz-Mechatroniker, oder die gänzlich neu hinzukamen, hier sei Gestalter/in für immersive Medien genannt. 

Ein weiterer Faktor, der schon seit einigen Jahren in aller Munde ist, aber dessen Auswirkungen wir jetzt stark und in den nächsten Jahren noch stärker spüren, ist der demografische Wandel. Mehr als 44 Prozent der Bevölkerung im Landkreis Uelzen ist 55

Jahre und älter; 22 Prozent sind unter 25 Jahre alt. Auch in den Belegschaften der hiesigen Betriebe stellt sich der Altersmix nicht anders dar: 28 Prozent sind 55 Jahre und älter und gerade mal neun Prozent unter 25 Jahre. Altersbedingte Abgänge können durch nachrückende Nachwuchskräfte nicht kompensiert werden. 

Der Einsatz der KI kann hier helfen. KI kann Innovationen hervorbringen, die beispielsweise von Routinetätigkeiten entlasten. Entscheidend dabei ist, dass Unternehmen gemeinsam mit Beschäftigten- und Interessenvertretungen die Einführung von KI aktiv und konkret mitgestalten. Zudem sollten Unternehmen die Gewinne, die durch den Einsatz von KI erzielt werden, einsetzen, um Innovation und Wachstum zu generieren und so nicht zuletzt die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und Beschäftigungseffekte zu erzielen.

Für Beschäftigte und Arbeitsuchende bedeutet diese Entwicklung, dass das Motto vom lebenslangen Lernen stärker denn je gelebt werden muss. Durch den stetigen Wandel, den der Einsatz von KI mit sich bringt und weiter mit sich bringen wird, verändern sich nicht nur Berufe, sondern auch Kompetenzen. Einen großen Stellenwert nimmt daher die Bereitschaft,

Veränderungen mitzutragen, die eigene Arbeitsfähigkeit zu erhalten und Beschäftigungsperspektiven zu verbessern, ein. Neben der Ausbildung werden weitere Qualifizierungen und Weiterbildungen feste Plätze in jeden individuellen Lebenslauf einnehmen müssen.

Wo kann ich mich informieren? Was kann die Agentur für Arbeit in Uelzen für mich tun?

Der Job-Futuromat ist eine Online-Plattform des IAB. Unter der Frage „Werden digitale Technologien Ihren Job verändern?“ erhält man konkrete Informationen darüber, welche Tätigkeiten automatisierbar sind oder welche weiterhin von Menschen erledigt werden.

Einfach nach Beruf oder Beruf nach Tätigkeiten suchen und informieren. 

Den eigenen beruflichen Standort bestimmen, prüfen, welche Optionen es gibt, sich inspirieren lassen, neue Perspektiven entdecken, sind nicht erst mit Automatisierung und Einsatz von KI Fragen, mit denen Ausbildungsplatzsuchende, Arbeitsuchende und

Beschäftigte sich auseinandersetzen. Für Jugendliche bietet das Online-Tool Check-U einen guten Einstieg in die Berufs- und Studienwahl. Beschäftigte und Arbeitsuchende unterstützt die Plattform meinNow mit Informationen rund um Weiterbildung, Umschulung und der Datenbank rund um Weiterbildungsangebote. Sie wird ergänzt durch New Plan. Damit können Interessierte sich bei ihrer beruflichen Entwicklung sich testen und inspirieren lassen. 

Neben den Online-Angeboten steht die Agentur für Arbeit Uelzen mit persönlichen Beratungsangeboten zur Verfügung. Diese richten sich mit der Berufsberatung vor dem Erwerbsleben an junge Menschen vor und während des Starts ins Berufsleben und mit de Arbeitsvermittlung an Arbeitsuchende. Auch Unternehmen haben im Arbeitgeber-Service eigene Ansprechpersonen, die bei der Rekrutierung und ebenso beim Erheben von Qualifizierungsbedarfen unterstützen. Entsprechende Förderangebote richten sich daher seit einigen Jahren auch nicht mehr ausschließlich an arbeitslose Personen, sondern auch an Beschäftigte in Unternehmen. Mit der Berufsberatung im Erwerbsleben haben Beschäftigte, die sich beispielsweise weiterbilden, qualifizieren oder neu ausrichten möchten, eigene

Beratungsfachkräfte. Neben der klassischen persönlichen Beratung können auch Videoberatungen stattfinden. Zudem gibt es verschiedene Sprechzeiten-Angebote außerhalb des Agenturgebäudes in der Lüneburger Straße 72.

KI und Agentur für Arbeit?

Bereits vor einigen Jahren lösten digitale Anträge die klassischen Papierformate ab. Mit einem umfangreichen eService und der BA mobil-App sparen die Kundinnen und Kunden schon heute Papier und Porto und die Online-Angebote werden immer weiter ausgebaut.

Öffentliche Dienstleistungen sind zunehmend von Orten und Öffnungszeiten unabhängig.

Die Agentur für Arbeit versteht die KI als Partner und nicht als Ersatz. Alle Anwendungen werden unter Berücksichtigung gesetzlicher und datenethischer Rahmenbedingungen entwickelt. Über 20 KI-Elemente und Anwendungen sind aktuell implementiert. Die Spannbreite reicht von einer automatisierten Datenübernahme aus Stellenangeboten, über einen BERUFEBOT, der Berufsberatungsfachkräfte unterstützt, den Digitalen Assistenten (ChatBot), der auf der Internetseite zu finden ist, bis hin zu BAKIRA, einer generative KILösung für Mitarbeitende. BAKIRA recherchiert beispielsweise und fasst zusammen, übersetzt und verarbeitet Texte. 

Fakt ist aber auch, dass KI lediglich dabei unterstützt, eine Entscheidung zu finden; getroffen wird sie weiterhin nur durch Menschen, also den Beschäftigten der Agentur für Arbeit.

Foto: Agentur für Arbeit