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Eine Reise in die Franzosenzeit: „Gelebte Geschichte“ lässt das Jahr 1813 lebendig werden

  • Subtitle: Hösseringen

Hösseringen. Noch schnell einen Kaffee und dann muss Marcus van Veenendaal schon wieder los, Männer für die preußische Landwehr anwerben – oder im Zweifel in den Militärdienst zwingen. Vorher aber lässt er es noch ordentlich krachen: Am Eingangsgebäude des Museumsdorfes Hösseringen fällt ein Schuss, preußische Soldaten sammeln sich und dann marschiert der Trupp los. Das Kötnerhaus ist ihr Ziel, denn hier gibt es junge Männer zu holen.

Eine Reise 200 Jahre zurück in die Vergangenheit haben Van Veenendahl und seine Leute angetreten – und mit ihnen die zahlreichen Zuschauenden im Museumsdorf. Man schreibt das Jahr 1813. Zehn Jahre lang war die Region unter französischer Besatzung und die Bevölkerung, die den Franzosen mit ihrer Idee von „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ zunächst wohlgesonnen war, will sich nun vom französischen Joch befreien. Napoleons Konzept, Frankreich auf Kosten der erbeuteten Länder zu schonen, brachte Armut und Steuerlast mit sich. Viele junge Männer wurden für Feldzüge rekrutiert – und oft genug nie wieder gesehen. Von den 27.000 Soldaten, die in den Russlandfeldzug geschickt wurden, waren nur 500 zurückgekommen. Die Sehnsucht nach Freiheit war groß, und sie schien zum Greifen nah. Nun ja, die Freiheit unter anderen Herren zumindest.

Und so sind die Hösseringer trotz eines fröhlichen „Hip, hip, hurra“ auf Georg III., den Welfen auf dem englischen Thron, von den neuerlichen Einziehungen nicht recht begeistert. Es bedarf gehöriger Überzeugungskraft, um aller militärtauglichen Jungs und Männer für die nahende Göhrdeschlacht habhaft zu werden. Sogar der Schweinehirt muss ran. Als nun noch das letzte bisschen Schmuck für die Schlacht gespendet werden soll – ganz nach dem Vorbild der preußischen Prinzessinnen – gibt es auch für die Damen Adelheid und Gudrun kein Halten mehr. Die beiden sind eigentlich auf der Durchreise, aber die schicken Soldaten lassen sie ein wenig länger in der Lüneburger Heide ausharren. „Hier in Hösseringen können wir so richtig in eine andere Zeit eintauchen. Es ist sehr schön im Museumsdorf“, sind sich die beiden einig.

Zum zweiten Mal in dieser Saison wurde am Wochenende in Hösseringen „Geschichte gelebt“ und mehr als 500 Gäste wohnten dem lebhaften Treiben bei. Rund 40 Mitwirkende aus zwei Vereinen gewährten einen Einblick in die Endzeit der napoleonischen Herrschaft. „Wir tragen möglichst authentische Kleidung und wir essen und benehmen uns so, wie es damals üblich war“, erläutert van Veenendaal, der sich bestens in der Geschichte auskennt. Besuche in Museen, das Studium von Tagebüchern oder auch alter Militärverordnungen sowie Ortsakten geben die entsprechenden Hinweise. 

Neben den Vorführungen gibt es auf dem Museumsgelände allerhand Stände zu besichtigen. Ein Bierbrauer zeigt sein Handwerk und ein Arzt öffnet seinen Instrumentenschrank. Beim Flintenbauer knallt es ab und zu und selbst die Hygiene kommt nicht zu kurz. Den Gästen gefällt es und auch das Museumsteam ist zufrieden. „Wir haben eine sehr gute Resonanz auf diese Veranstaltungen und die Vereine möchten gerne wiederkommen“, freut sich Museumsleiter Dr. Ulrich Brohm.

Foto: Museumsdorf Hösseringen