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Museumsdorf Hösseringen: Mehr als 2.000 Besucher erleben beim Erntedankfest, historische Technik, Kartoffelglück und ein buntes Familienprogramm

  • Subtitle: Hösseringen

Hösseringen. Ratternd und zischend erwachte die große Dampflokomobile am vergangenen Sonntag im Museumsdorf Hösseringen zum Leben. Wenige Schritte hinter dem Eingang setzte sie die gewaltige Dreschmaschine in Bewegung und zog damit die Blicke der Besucher auf sich. Die historische Technik vermittelte einen Eindruck davon, wie die Mechanisierung der Landwirtschaft einst auf großen Höfen Einzug hielt. Dampflokomobilen wie diese rechneten sich allerdings nur für größere Betriebe. Später wurden sie von Traktoren und Elektromotoren abgelöst und gerieten zunehmend in Vergessenheit.

Beim Erntedank- und Kartoffelfest war von Vergessenheit allerdings nichts zu spüren. Mehr als 2.000 Besucher kamen ins Museumsdorf und erlebten historische Landtechnik nicht nur als Ausstellungsstücke, sondern in voller Funktion.

Ein paar Meter weiter ging es etwas kleiner, aber nicht weniger kraftvoll zu. Die 1906 gebaute Maschine von Klaus Dannenberg aus Uelzen setzte ein Mahlwerk in Bewegung, mit dem Getreide geschrotet wurde. Dannenberg hatte die Maschine liebevoll restauriert und wieder betriebsfähig gemacht. Gleich daneben zog eine Zuchtstute unter dem Göpeldach ihre Runden und trieb eine Häckselmaschine an. Normalerweise wird damit Hafer für das eigene Futter zerkleinert. An diesem Tag wurde jedoch Roggen verarbeitet, der anschließend bei den Lehmbaukursen des Museumsdorfes Verwendung findet.

Auf die Besucher wartete aber noch eine ganz andere Art von „Arbeit“: die Kartoffelernte. Auf einem eigens angelegten Kartoffelacker konnten kleine und große Gäste selbst aktiv werden. Ein Treckerroder holte die Erdäpfel aus der Erde, anschließend wurden sie gesammelt und in einer handbetriebenen Sortiermaschine nach Größe und Qualität sortiert. Was früher mühsame Handarbeit war, wurde so zum Erlebnis für die ganze Familie – und das Beste: Die Kartoffeln durften mit nach Hause genommen werden!

Wenig später wurde es plötzlich laut. Die historische Pumpergruppe der Freiwilligen Feuerwehr Rosche-Prielip zeigte, wie um die Jahrhundertwende ein offenes Feuer bekämpft wurde. Mit ihrer Handdruckpumpe von 1886 demonstrierten die Feuerwehrleute den Ablauf von der Wasseraufnahme bis zum eigentlichen Löschvorgang. Dazu trugen sie historische Uniformen, die in den 1970er-Jahren eher zufällig auf einem Speicher wiederentdeckt worden waren. Gepumpt wurde gemeinsam, der Mann an der Spritze wurde mit Wasser versorgt und schließlich war auch dieser Einsatz erfolgreich beendet. Wer schon einmal einen Feuerwehr-Wettkampf beobachtet hat, konnte feststellen, dass sich manche Abläufe bis heute kaum verändert haben.

Im Brümmerhof ging es anschließend etwas ruhiger aber nicht weniger unterhaltsam zu. Jürgen Wicht vom Wicht-Theater aus Wismar nahm die kleinen und großen Zuschauer mit in seine eigene Inszenierung des Märchens „Hans im Glück“. Darin ging es um die Frage, was eigentlich glücklich macht und welchen Wert die Dinge haben, die uns im Alltag umgeben.

Im Anschluss lud Pastor Martin Berndt von der St.-Remigius-Kirchengemeinde Suderburg zum traditionellen Erntedankgottesdienst, der dieses Jahr musikalisch und stimmgewaltig vom Remigius-Chor und dem Studio-Orchester begleitet wurde. Bereits vor Beginn konnten die Besucher einen Dankesbaum schmücken. Auf kleinen Kärtchen hielten sie fest, wofür sie an diesem Tag besonders dankbar waren.

Auch rund um die großen Vorführungen gab es viel zu entdecken. Das Duo Terraneola sorgte für Live-Musik, im Backhaus wurden Brot und Franzbrötchen gebacken und der Angelsportverein Suderburg e.V. zeigte das Räuchern von Regenbogenforellen. Uwe Senft war mit Museumshündin B’A, einer Neufundländerdame, unterwegs und zeigte, welche Rolle Hunde einst in der historischen Milchwirtschaft spielten. Auch die Landjugend und Landfrauen aus der Region waren mit eigenen Ständen vertreten.

Bei bestem Wetter und ausgelassener Stimmung übertraf der Erntedanksonntag im Museumsdorf Hösseringen somit sämtliche Erwartungen und wurde seinem Anspruch als Saisonhighlight mehr als gerecht.

Fotos: Museumsdorf Hösseringen