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Kultur

„Rockerpräsident, Bürgermeister und Staatsdiener – Immer auf die Zwölf“ – Ein Abend mit Heiko Senking

 |  Kunst & Kultur

Bad Bevensen. „Lieber stehend sterben, als kniend leben!“ So lautete die Devise des MC Brenner, dessen Präsident Heiko Senking fast 15 Jahre lang war. Stehend bestritt er dann auch den größten Teil der Veranstaltung im Griepe-Haus, die der Förderverein der Bibliothek organisiert hatte. 

Senking las aus seinem Buch „Rockerpräsident, Bürgermeister und Staatsdiener – Immer auf die Zwölf“, und fast 50 Menschen waren gekommen, um ihm zuzuhören. Aber was heißt schon lesen? Gab es zu Beginn des Abends noch einzelne Passagen aus dem Buch zu hören, so wechselte er im weiteren Verlauf immer häufiger in den Erzählmodus und nahm das Publikum mit in eine Welt, die den meisten vermutlich ziemlich fremd war. 

Von Hang-arounds und Prospects war die Rede, von Kutten und Patches, Brennplatten und viel Lärm, der mit ihnen erzeugt werden konnte. Auch wenn diese Geschichten bestimmt schon oft erzählt wurden – an diesem Abend waren sie neu, und der Autor trug sie mit vollem Einsatz und sichtlichem Vergnügen dem gebannt lauschenden Publikum vor. Der Bogen war klug gespannt. Neben Abenteuer, Heldentat und grobem Unfug gab es ebenso Raum für die Werte, die im Club ganz real gelebt wurden. 

Man spendete fürs Kinderhospiz, Gewalt gegen Frauen war verpönt und Kinder im Clubhaus an einem sichereren Ort. Dass er den Zusammenhalt der damaligen Zeit in der heutigen Politik vermisst, war sicher keine Neuigkeit für diejenigen, die Heiko Senking ein bisschen kennen. Und vielleicht war es im besten Sinne auch der Staatsdiener, der zum Schluss sagte: „Den ganze Blödsinn konnten wir nur machen, weil wir zum Glück in einer Demokratie lebten. In keiner anderen Staatsform wäre das möglich gewesen.“ 

Der kräftige Beifall galt dieser Erkenntnis, aber auch einem sehr gelungenen Abend, den die Veranstalterinnen mit einem Song der „Böhse Onkelz“ ausklingen ließen. „Auf gute Freunde“ knüpfte an den Sound der alten Zeiten an, und da war der Rockerpräsident doch sogar ein bisschen gerührt.

Text: sim, Fotos (oh): Richter