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Landkreis Uelzen

Interview mit Landrat Dr. Heiko Blume: „Hier bei uns auf dem Land kann man gut leben"

 |  Landkreis

Von Michael Michalzik

Uelzen/Landkreis. Dr. Heiko Blume ist seit 2011 Landrat des Landkreises Uelzen. Gerade die zweite siebenjährige Amtszeit war für den Verwaltungschef und die mehr als 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von großen Herausforderungen, aber auch vielen erfolgreichen Lösungen geprägt. Im UEN-Interview zieht Dr. Blume Bilanz und erklärt, mit welchen Schwerpunkt-Themen er ab September in eine dritte Amtszeit gehen will.

UEN: „Herr Dr. Blume, was waren die größten Herausforderungen der vergangenen Jahre für Sie und Ihr Team?“

Dr. Heiko Blume: „Da ist natürlich die Corona-Pandemie zu nennen. Ich bin sehr stolz auf die Arbeit und Leistung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ja über zwei Jahre hinweg die Arbeit im Krisenstab am Laufen hielten, so auch beim Thema Impfzentren. Ich denke, insgesamt sind wir im Landkreis Uelzen da ganz gut durch diese herausfordernde Zeit gekommen. Dennoch: Im Nachhinein hätte in Deutschland einiges anders gesteuert werden können und sollen, zum Beispiel bei Kindern und Jugendlichen sowie auch ältere Menschen in der Zeit des Lockdowns.“

UEN: „Nach dem Abklingen der Pandemie wurde es aber dennoch nicht gerade einfacher…“

Dr. Heiko Blume: „In der Tat begann 2022 der Krieg Russlands gegen die Ukraine, der leider Gottes immer noch andauert. Dieser hatte auch direkte Auswirkungen hier vor Ort: zunächst einmal durch die Flüchtlingsbewegungen, aber auch durch die Energiekrise. Die Frage, ob die Energieversorgung sicher war, stand ebenso im Raum wie Fragen plötzlich extrem gestiegener Energiepreise. Der Landkreis hatte damals auch ein Programm beschlossen, mit dem Sportvereine finanziell unterstützt werden konnten.“

UEN: „Aus der Pandemie haben sich tatsächlich auch Chancen ergeben. Etwa im Bereich schnelles Internet. Sie haben einmal von der ‚letzten Milchkanne‘ gesprochen. Wie war das gemeint?“

Dr. Heiko Blume: „Gemeint war, dass der Landkreis Uelzen anders als andere Kommunen gezielt auch die ganz dünn besiedelten Bereiche und Einzelgehöfte ans Glasfasernetz anschließen - eben bis zur sprichwörtlichen ‚letzten Milchkanne‘. Das war mir persönlich sehr wichtig. Und Corona hat dann ja in der Tat gezeigt, wie wichtig eine sehr gute Breitbandanbindung ist, zum Beispiel für Homeoffice, das ja damals einen echten Schub erlebte, der bis heute anhält. Ende diesen Jahres wird der Spatenstich für die nächste Ausbaustufe des Glasfasernetzes kommen. Das sind dann noch einmal 1.400 Hausanschlüsse.“

UEN: „Glasfaser ist also ein Wirtschaftsfaktor, der auch für den Landkreis Uelzen steigende Bedeutung hat?“

Dr. Heiko Blume: „Ja. Und da Gemeinden und Landkreis seinerzeit vereinbarten, dass der Landkreis den Ausbau aus einer Hand macht, haben wir auch keinen Flickenteppich wie in anderen Regionen. Glasfaser ist keine originäre Aufgabe von Landkreisen, aber ich bin sehr froh, dass wir das zu unserem Thema gemacht haben. Am Ende hilft das den Menschen und der Wirtschaft. Aber es gibt weitere andere Themen, von denen alle Branchen profitieren können, etwa im Bereich Ausbildung.“

UEN: „Dort will der Landkreis ja in den kommenden Jahren einen gewaltigen Schritt machen.“

Dr. Heiko Blume: „Sie sprechen den BBS-Campus an. In den kommenden Jahren werden die Berufsbildenden Schulen I und II komplett - bis auf den Standort Ebstorf - an einem zentralen, hochmodernen Standort an der Wilhelm-Seedorf-Straße in Uelzen zusammengezogen. Mit rund 150 Millionen Euro bindet es die höchste Investitionssumme in der Geschichte unseres Landkreises. Wir wollen damit den Unternehmen maximale Qualität in Sachen beruflicher Bildung geben. Gleichzeitig stellen wir sicher, dass junge Menschen hier vor Ort bleiben oder hierher kommen, weil sie wissen, dass sie hier optimale Bedingungen vorfinden.“

UEN: „Die Region braucht auch Verkehrsanbindung…“

Dr. Heiko Blume: „Ein wichtiger Schritt war die Anbindung an den Hamburger Verkehrsverbund. Das ist gelungen. Wir haben den HVV-Zeitkarten-Tarif an allen Bahnhöfen, der Vollbeitritt bleibt das Ziel. Die A39 ist nach wie vor zentrales Infrastrukturprojekt. Ich hoffe, dass dieses Jahr das Bundesverwaltungsgericht über die anhängigen Klageverfahren entscheidet und dann der sprichwörtliche erste Spatenstich erfolgt. Mit der A39 soll nicht mehr Verkehr produziert werden, sondern Menschen und Wirtschaft sollen von einer besseren Mobilität profitieren.“

UEN: „Es hat sich ja auch einiges in Sachen Verkehrssicherheit im Kreisgebiet getan - durchaus auch in Eigeninitiative.“

Dr. Heiko Blume: „Ja. Nehmen wir den jetzigen Kreisel bei Esterholz. Das war vorher als Kreuzung ein Unfallschwerpunkt. Das Land Niedersachsen erklärte damals, keine Kapazitäten zu haben - also nahm der Landkreis das auf Anregung aus dem politischen Raum selbst in die Hand. Und auch die Hansestadt ging in der Vergangenheit ähnlich vor, als sie die B4 bei Kirchweyhe als Ortsumgehung plante, so dass diese dann letztlich gebaut wurde.“

UEN: „Wie kann man sich denn den Straßenverkehr der Zukunft auf den vielen Kreis- und Landstraßen bei uns vorstellen?“

Dr. Heiko Blume: „Es geht dabei, wenn auch sicher eher lang- als kurzfristig, auch um das Thema Autonomes Fahren. Eine vom Landkreis in Auftrag gegebene Studie hat gezeigt, dass in ländlichen Regionen Bedarfe und Potenzial bestehen. Wir sind sehr dünn besiedelt, und es wird künftig eher weniger als mehr Fahrpersonal geben. Insofern bietet sich der Landkreis Uelzen als ländliche Pilotregion an. Es bedarf jedoch einer staatlichen Unterstützung für unsere Region, um ein solches Testlabor zu werden.“

UEN: „Was sonst kann der Landkreis Uelzen Menschen, vor allem jungen Leuten, anbieten, damit sie hier ihren Lebensmittelpunkt wählen?“

Dr. Heiko Blume: „Angesichts der begrenzten Mittel liegt der Fokus auf einigen Kernthemen: Als Gesundheitsregion kümmern wir uns um die ärztlichen und pflegerischen Kräfte von morgen. Unser Förderprogramm für Arztpraxen, die sich erweitern oder neu ansiedeln wollen, hilft dort. Erste Förderbescheide konnten übergeben werden. Es geht auch darum, jungen Menschen die Pflegeberufe nahezubringen. So vernetzt der Landkreis zum Beispiel die KGS in Bad Bevensen mit dortigen Kliniken, damit Schülerinnen und Schüler bei einer Rallye sehen, welche Jobs es in den Bereich gibt, wie die sich anfühlen und warum die wichtig sind sowie Chancen bieten.“

UEN: „Ein lebenswerter Landkreis, auch für Arbeitnehmer und Unternehmer…“

Dr. Heiko Blume: „Ja, wir sind vom Standort und seinen Möglichkeiten überzeugt und werden das im Rahmen des Fachkräftemarketings auch weiter deutlich machen. So werden mit einer Reihe von Video-Testimonials Menschen aus Landkreis zu Wort kommen, die genau das bezeugen: Hier bei uns auf dem Land kann man gut leben.“

Foto: Landkreis Uelzen