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Tierwelt

Ein Zuhause für immer: Wie das Tierheim Uelzen seinen Schützlingen einen Neuanfang ermöglicht

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Uelzen. Der Tierschutzverein Uelzen kümmert sich um Tiere in Not und vermittelt sie an Menschen, die ihnen dauerhaft ein liebevolles Heim schenken. Verantwortung zeigt sich dabei nicht nur in den schönen Momenten, sondern vor allem in schwierigen Zeiten, etwa bei Krankheit oder im Alter. Der Artikel gibt Einblicke in die Arbeit und die Herausforderungen des Vereins.

Als Biggi Frels ihre Hündin aus dem Freilauf zurückholt, winkt sie mit beiden Armen und macht sich groß. Sie weiß, Rufen bringt nichts, denn die 14-jährige Staffordshire-Terrier-Dame ist altersbedingt taub. Nur durch visuelle Reize und Bewegungen kann man sie auf sich aufmerksam machen. Doch Frels und ihre betagte Gefährtin sind ein eingeschworenes Team. Sie kennen einander in- und auswendig und meistern ihren Alltag auch ohne Worte.

Vor sechs Jahren adoptierte Frels ihre Hündin aus dem Tierheim Uelzen. Dort war das Tier bereits dreimal gelandet und galt wegen seiner Vorgeschichte als schwer vermittelbar. Heute hat die Hündin das gefunden, wonach der Tierschutzverein Uelzen für jedes seiner Tiere täglich sucht: ein Zuhause für immer.

Ein Alltag, der nie stillsteht

Biggi Frels ist erste Vorsitzende des Tierschutzvereins Uelzen, der sich seit mehr als 40 Jahren für Tiere in Not einsetzt. Dreh- und Angelpunkt ist das Tierheim. Dort kümmert sich ein Team aus Angestellten und Ehrenamtlichen um Hunde, Katzen und Kleintiere mit ganz unterschiedlichen Schicksalen. Manche Tiere wurden schweren Herzens abgegeben, andere rücksichtslos ausgesetzt und wieder andere infolge einer Beschlagnahmung ins Tierheim gebracht.

Der Alltag im Tierheim ist klar strukturiert. Jeder Morgen beginnt mit einem Kontrollgang. Es wird geschaut, ob es allen Tieren gut geht, und ein Blick in die sogenannte Polizeibox geworfen, da es vorkommen kann, dass Tiere ohne Ankündigung über Nacht dort hineingesetzt werden. Direkt im Anschluss erfolgt die Versorgung und Fütterung der Tierheimbewohner. Die Hunde dürfen nach draußen, um sich zu bewegen und sich zu lösen. Sie haben feste Bezugspersonen, die ihnen Sicherheit und Orientierung vermitteln.

Nach der Fütterung steht der Vormittag im Zeichen umfangreicher Reinigungsmaßnahmen. Die Unterkünfte werden nach strengen hygienischen Vorgaben gesäubert und desinfiziert. „Das ist enorm wichtig, denn sonst können sich Keime und Parasiten unter den Tieren rasend schnell verbreiten“, erklärt Biggi Frels.

Im weiteren Tagesverlauf beantwortet das Team Anfragen, organisiert Besuchstermine, betreut die Social-Media-Kanäle und hilft bei Fundtieren weiter. Parallel wirkt der Verein an Kastrations- und Aufklärungsaktionen mit. Abends werden die Hunde erneut in den Auslauf gebracht und alle Tiere ein weiteres Mal versorgt. Dieses Pensum stemmt das Team sieben Tage die Woche – das ganze Jahr über.

Tierschutz aus Überzeugung

Alle, die im Tierheim mit anpacken, tun das aus Überzeugung – manche von ihnen neben dem Beruf. Biggi Frels beispielsweise arbeitet eigentlich im IT-Bereich. Ihre Liebe zu Tieren begleitet sie seit ihrer Kindheit. Schon als kleines Mädchen brachte sie verletzte oder geschwächte Tiere mit nach Hause und kümmerte sich um sie. „Meine Mutter konnte das nicht so recht nachvollziehen, hat es aber akzeptiert“, erzählt sie schmunzelnd. Später nahm sie eigene Hunde aus dem Tierschutz auf. 

Im Tierschutzverein Uelzen engagiert sich Frels seit 2016. Nachdem einer ihrer beiden Hunde verstorben war, suchte sie im Tierheim nach einem neuen Partner für das verbliebene Tier. Dabei wurde ihr erneut bewusst, wie viele Hunde es gibt, die kein Zuhause haben. Sie fasste den Entschluss, als Gassigängerin tätig zu werden. Daraus entwickelte sich Schritt für Schritt ihre heutige Rolle.

Auf der Suche nach einem Zuhause

Das Tierheim Uelzen sucht für jedes seiner Tiere ein passendes Zuhause und geht dabei keineswegs leichtfertig vor. Wer ein Tier adoptieren möchte, muss sich auf einen Prozess einlassen. Interessenten füllen zunächst einen Fragebogen aus, anschließend folgt ein persönliches Gespräch. Es wird unter anderem nach den Wohn- und Lebensverhältnissen und den zeitlichen Kapazitäten gefragt. „Ein Haustier braucht eine sichere Umgebung mit Rückzugsmöglichkeiten. Aber selbst das schönste Grundstück bringt nichts, wenn der Hund permanent alleine ist“, sagt Frels. 

Auch gesetzliche Voraussetzungen spielen eine Rolle. Seit 2013 müssen Ersthundehalter in Niedersachsen beispielsweise einen Hundeführerschein nachweisen. Darüber hinaus fragt der Verein nach der finanziellen Situation. Biggi Frels weiß: „Ein Tier zu halten bedeutet auch, es im Krankheitsfall und im Alter medizinisch versorgen lassen zu können. Das ist zum Teil mit sehr hohen Kosten verknüpft.”

Dass die Vorgaben des Vereins manchen sehr streng erscheinen, nimmt das Team in Kauf. „Tiere sind keine Ware“, betont Frels. „Sie sind fühlende Lebewesen und verdienen ein Zuhause, in dem man sich um sie kümmert.“

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit 

Frels’ Erfahrung nach sind es vor allem ältere und kranke Tiere sowie schwarze Hunde und Katzen, die es schwer haben, ein neues Heim zu finden. Viele Menschen lassen sich von Alter, gesundheitlichen Problemen oder der Optik abschrecken.

Glücklicherweise gibt es Ausnahmen. „Eines Tages kam eine Frau zu uns, um eine Katze zu adoptieren”, erinnert sich Biggi Frels. „Sie ging in unser Katzenzimmer und war umringt von lauter schnurrenden Kätzchen. Dann sah sie etwas weiter entfernt eine Katze auf einem Kratzbaum sitzen, die keine Ohren hatte. Sie war unser Sorgenkind, weil wir fürchteten, dass sie durch ihr Aussehen wenig Chancen auf Vermittlung hat. Doch die Frau rief plötzlich: ‚Das ist die schönste Katze, die ich je gesehen habe!’ Am Ende nahm sie das Tier mit nach Hause.”

Solche Momente bleiben im Gedächtnis. Doch die Arbeit im Tierschutz kann auch belastend sein, etwa wenn Tiere aus Platzgründen nicht aufgenommen werden können oder das Team mit besonders erschütternden Fällen konfrontiert ist. Hinzu kommen Anfeindungen, Drohungen und sogar Anzeigen gegen Mitarbeitende des Vereins. Ursache dafür sind oft Unverständnis und Frustration. Biggi Frels erklärt: „Manche Menschen fühlen sich durch Ablehnung oder Kritik an ihren Haltungsbedingungen persönlich angegriffen. Doch wir treffen unsere Entscheidungen immer zum Wohl des Tieres. Das ist nicht verhandelbar.”

Wenn Hilfe zur Herausforderung wird 

Frels und ihr Team beobachten seit Jahren eine besorgniserregende Entwicklung: Viele Tiere kommen heute in deutlich schlechterem Zustand ins Tierheim als früher. Sie sind oft mangelernährt oder medizinisch unterversorgt. „Tiere kosten Geld, und sie werden alt. Genauso wie wir Menschen können sie krank und pflegebedürftig werden”, weiß Biggi Frels. Damit seien viele Menschen überfordert.

Gleichzeitig kämpfen immer mehr Tierschutzvereine ums Überleben. „Es entstehen zunehmend weiße Flecken auf der Karte“, warnt Frels. Der Tierschutz sei zwar gesetzlich verankert, werde ihrer Meinung nach in der Praxis jedoch vor allem von Ehrenamtlichen getragen.

Auch das Tierheim Uelzen ist auf Unterstützung angewiesen. Finanziert wird die Arbeit hauptsächlich durch Spenden, Mitgliedsbeiträge und Erbschaften. „Spenden sind für uns enorm wichtig“, betont Frels. „Ohne finanzielle Hilfe könnten wir unseren Betrieb nicht aufrechterhalten.” Ein Lichtblick: Die Zuschüsse der Kommunen für die Aufnahme von Fundtieren wurden im vergangenen Jahr verdoppelt. „Das ist in Zeiten von leeren Haushaltskassen keine Selbstverständlichkeit und zeigt, dass unser Engagement wertgeschätzt wird“, freut sich Frels. Hilfe kommt auch aus der Region – etwa von den Uelzener Versicherungen, die sich regelmäßig mit Spenden und Sponsorings engagieren. 

Verantwortung für ein ganzes Leben 

Wer sich um ein Tier kümmern möchte, muss sich nicht zwangsläufig selbst eines anschaffen. „Es gibt Alternativen“, sagt Frels. „Man kann beispielsweise eine Patenschaft übernehmen, Gassigänger oder Katzenkuschler werden.“ 

Sie und ihr Team wünschen sich, dass sich Menschen bewusst machen, was es bedeutet, ein Tier bei sich aufzunehmen. Und dass sie sich ehrlich hinterfragen, ob sie ihm langfristig das bieten können, was es braucht. Ein Haustier erfordert Verantwortung, oft über viele Jahre hinweg. Geduld, Verständnis und die Bereitschaft, sich auf die Bedürfnisse und Eigenheiten eines Tieres einzulassen, sind dabei unerlässlich. Denn letztlich ist das der Kern von Tierschutz: Tieren ein Zuhause geben, in dem sie ankommen und bleiben dürfen – für immer.

Wer spenden möchte - unter dem unten stehenden Link sind die Möglichkeiten aufgeführt, mit denen man das Tierheim Uelzen unterstützen kann:

https://www.tierheimuelzen.de/unterstuetzung/geldspenden/

Fotos: Tierheim Uelzen